Wie findet man in den USA den richtigen Standort f├╝r sein Unternehmen?

F├╝r eine Expansion in die USA gibt es viele gute Gr├╝nde. Doch die Standortwahl kann zu einem schwierigen Prozess mit vielen Unbekannten werden. Wie man den richtigen Standort findet, wei├č unser USA-Spezialist.

F├╝r eine Expansion in die USA gibt es viele Gr├╝nde:

Ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum Markteintritt ist die Wahl des richtigen Standortes. Aber schon die Gr├Â├če der Vereinigten Staaten macht die Entscheidungsfindung zu einem komplexen Prozess mit vielen Unbekannten. Deshalb pl├Ądiere ich f├╝r eine systematisches Vorgehen, das die Ungewissheit auf ein Minimum reduziert.

Das sieht folgenderma├čen aus:

1. Vor der Expansion in die USA Motive und Ziele ├╝berdenken

Bevor Sie in die USA oder in den nordamerikanischen Wirtschaftsraum expandieren, empfiehlt es sich

  • die Motive f├╝r die Expansion gr├╝ndlich zu ├╝berdenken,
  • die Ziele m├Âglichst genau zu definieren und
  • eine erste Kostensch├Ątzung vornehmen.

Sollte sich dabei kein stimmiges Bild ergeben, lohnt es sich noch nicht, sich schon jetzt auf die Suche nach einem passenden Standort zu machen.
Die Zeit f├╝r eine Expansion ist dann einfach noch nicht gekommen.

2. Expansionsstrategie festlegen

Wenn sich dagegen die Gr├╝nde, die Sie f├╝r eine Expansion haben, best├Ątigen, steht als erster Schritt die Entscheidung an, welchen Gesch├Ąftsbereich Sie in den Vereinigten Staaten ansiedeln wollen.

Ist Ihr Unternehmen zum Beispiel im Bereich der Fertigungsindustrie angesiedelt, sollte die erste Frage sein, ob Sie

  • eine Vertriebsniederlassung,
  • eine Serviceniederlassung,
  • einen Fertigungsstandort oder
  • eine Kombination dieser Gesch├Ąftsbereiche

gr├╝nden wollen.

Je nach Gesch├Ąftsbereich ergeben sich daraus weitere Fragen. Haben Sie etwa vor, in den USA einen neuen Produktionsstandort aufzubauen, so m├╝ssten Sie auch festsetzen, welche Produkte Sie am neuen Standort herstellen wollen und welche Kundengruppen Sie von dort aus beliefern wollen.

3. Finanzbedarf feststellen

Jeder Markteintritt in eine neue Region stellt eine Investition mit langfristiger Auswirkung auf bestehende Budgets dar. Diese Mehrkosten muss die Muttergesellschaft bis zum Erreichen der Profitabilit├Ąt der Niederlassung tragen. F├╝r die weiteren Planungen ist eine ebenso detaillierte wie realistische Analyse des Finanzbedarfs unerl├Ąsslich.

Die Analyse sollte auf der festgelegten Expansionsstrategie aufbauen und diese weiterentwickeln.

Neben

  • den eigentlichen Gr├╝ndungskosten f├╝r die Auslandsniederlassung

sind

  • die langfristigen Kosten des Betriebs,
  • eventuelle Verluste in der Anlaufphase,
  • Investitionen und Kapitalbindung in eine erweiterte Lagerhaltung oder Erweiterung der Produktion an bestehenden Standorten um US-spezifische Produkte┬á sowie
  • die Integration der neuen Niederlassung in bestehende Systeme und Strukturen

zu bedenken und budget├Ąr zu ber├╝cksichtigen.

Dar├╝ber hinaus muss in den ersten Jahren des Aufbaus der Auslandniederlassung eine kontinuierliche ├ťberwachung und Steuerung der Aktivit├Ąten durchgef├╝hrt werden.

4. Kriterien f├╝r die Standortanalyse formulieren

Drei Dinge wirken sich auf die Wahl des richtigen Standorts aus.

Erstens die Unternehmens- bzw. Expansionsstrategie. Diese gibt der Standortwahl die generelle Richtung vor. Relevant sind hier vor allem die oben bereits genannten Motive und Ziel f├╝r eine Expansion in die USA, aber auch die Auswahl des Gesch├Ąftsbereichs, der in den USA angesiedelt werden soll.

Der zweite Punkt ist das Budget, das f├╝r den Markteintritt zur Verf├╝gung steht. Denn mit Blick auf die verf├╝gbaren Mittel fallen eventuell manche Optionen aus.

Der dritte Schritt ist die Identifizierung und Priorisierung von Optionen, von m├Âglichen Standorten. Daf├╝r sind die Bed├╝rfnisse zu konkretisieren und entsprechende Kriterien zu definieren.

Es gibt zum einen harte Standortfaktoren. Dazu z├Ąhlen

  • eine optimal Verkehrsanbindung und Infrastruktur
  • die Verf├╝gbarkeit von qualifizierten Mitarbeitern
  • die N├Ąhe zu Universit├Ąten und Bildungseinrichtungen, sofern die F&E-Abteilung eine Zusammenarbeit mit der akademischen Welt w├╝nscht,
  • die N├Ąhe zu bestehenden Zulieferern oder Grosskunden

Zu den harten Faktoren z├Ąhlen auch gewisse finanzielle Kriterien. Zu nennen sind hier

  • Steuern und Abgaben
  • die Energiekosten sowie
  • Zusch├╝sse und Direktinvestitionen

Gerade um die Kosten und Investitionen der Expansion zu mildern, sollte im Rahmen der Standortwahl zum Beispiel auch gepr├╝ft werden,

  • ob es F├Ârdermittel von Bundesstaaten oder Kommunen gibt,
  • ob inl├Ąndische oder ausl├Ąndische Handelskammern Gelder zur Verf├╝gung stellen,
  • ob es gezielte Wirtschaftsf├Ârderung durch gesetzliche Rahmenbedingungen gibt.

Oft wird ├╝bersehen, dass die Standortwahl Ihre interne Kommunikation beeinflussen wird. Nordamerika liegt zwischen f├╝nf und elf Zeitzonen westlich von Deutschland: Ein Standort auf Hawaii w├Ąre elf Zeitzonen entfernt und macht deshalb nur in wenigen F├Ąllen wirklich Sinn.

Erg├Ąnzend zu den harten Faktoren stehen weiche Standortfaktoren. Diese werden oft ├╝bersehen, obwohl sie einen enormen Einfluss auf den Erfolg eines deutschen Unternehmens in den USA haben.

Speziell die Lebensqualit├Ąt im Umfeld des Standortes ist hier zu nennen. Und die variiert zum Teil erheblich: Die USA sind ein sehr gro├čes Land mit starken regionalen Unterschieden.

5. Die Entscheidungsfindung gr├╝ndlich vorbereiten

Faktoren wie Strategie, Budget oder Standortkriterien k├Ânnen Sie als Unternehmen beeinflussen. Doch dar├╝ber hinaus gibt es viele Faktoren, die au├čerhalb Ihres Einflussbereichs liegen.

Das macht die Standortwahl zu einer Entscheidung unter Unsicherheit.

Deshalb ist es wichtig, Schnellsch├╝sse unbedingt zu vermeiden. Der Entscheidung m├╝ssen intensive Studien der m├Âglichen Standorte vorangehen, die insbesondere auch m├Âgliche Ereignisse und Entwicklungen in den Umfeldern identifizieren, die sich auf den Standort auswirken k├Ânnten. Und in die Bewertung des Standortes mit einkalkulieren.

Eine Deinvestition w├Ąre schlie├člich kostenintensiv: Eine falsche Wahl w├╝rde der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens l├Ąngerfristig schaden.

Standortanalysen sind allerdings immer nur Momentaufnahmen, die nicht alle Entwicklungen vorhersehen k├Ânnen. Ein Rest von Ungewissheit bleibt immer.

6. H├Ąufige Fehler bei der Standortentscheidung vermeiden

Die meiner Erfahrung nach h├Ąufigsten drei Fehler bei der Standortwahl sind die folgenden:

  1. Der Schnellschuss: Man entscheidet sich unter Zeitdruck, der zum Beispiel durch einen wichtigen Kunden entsteht.
  2. ÔÇ×AnecdataÔÇť: Man nimmt unter Berufung auf Bekanntschaften den einfachen Weg und k├╝rzt die komplexe Entscheidungsfindung ab. Nach der Devise: ÔÇ×Ich kenne da jemanden, der/die seit Jahren das-und-das so-und-so macht.ÔÇť
  3. Pers├Ânliche Vorlieben: Subjektivit├Ąt W├╝nsche und Pr├Ąferenzen werden ÔÇô oftmals unbewusst ÔÇô vor objektive Kriterien gestellt.

In allen drei F├Ąllen wird an falscher Stelle Zeit und Geld gespart ÔÇô oft mit verheerenden Folgen. Diese Fehlentscheidungen haben aufgrund der Langfristigkeit der Expansion weitreichende Konsequenzen finanzieller Art, f├╝hren zu Frustrationen, Entt├Ąuschungen und nicht selten zu Resignation.┬á Die Kosten einer Standortverlegung sind erheblich und sollten durch eine in der Praxis erprobte Vorgehensweise┬á vermieden werden.

Das Mehr-Augen-Prinzip: Es empfiehlt sich daher, ein System zu verwenden, in dem die einzelnen Kriterien und Standortfaktoren von einer Gruppe gemeinsam diskutiert, gewichtet und bewertet werden.

Ein gewisses unternehmerisches Risiko l├Ąsst sich nicht ausr├Ąumen: Am Ende des Tages ist bei der Standortwahl daher Erfahrung und Expertise ausschlaggebend, um Restrisiken zu minimieren.

Fazit: Ein systematisches Vorgehen minimiert das Risiko der Standortwahl

Unternehmen, die in die USA expandieren wollen, stehen vor der sehr komplexen Wahl den richtigen Standort zu finden.

Die Entscheidungsfindung beruht auf bekannten Faktoren, die in der Hand des Unternehmens liegen: Die Unternehmensstrategie, das zur Verf├╝gung stehende Kapital sowie die Kriterien, die sich aus den spezifischen harten und weichen Faktoren ableiten lassen.

Gr├╝ndliche Studien k├Ânnen zudem Entwicklungen identifizieren, die au├čerhalb des eigenen Einflussbereichs stehen. Das erh├Âht den Informationsgrad und reduziert das Risiko einer Fehlentscheidung.

Und schlie├člich empfiehlt es sich Rat und Unterst├╝tzung bei Experten mit Erfahrung und praxisbew├Ąhrten Methoden zu holen. Die Standortfestlegung muss unter Minimierung von Restrisiken getroffen werden, nicht zuletzt wegen der Langfristigkeit dieser Entscheidung.