Insolvenz in Eigenverwaltung

Ein kosteng√ľnstigeres Insolvenzverfahren und eine bessere Gl√§ubigerbefriedigung: Das verspricht die Insolvenz in Eigenverwaltung.

Es ist das Schreckensszenario einer Unternehmenskrise: Das von einem selbst verantwortete Unternehmen in der Krise kann seine Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen. Eine Liquidierung des Unternehmens ist unausweichlich: Das Vermögen des Schuldners wird verwertet und der Erlös unter den Gläubigern verteilt.

Oder doch nicht? Der Gesetzgeber unterscheidet in ¬ß 1 InsO zwei Ziele des Insolvenzverfahrens. Demnach muss eine schwere Unternehmenskrise, die mit herk√∂mmlichem Krisenmanagement nicht √ľberwunden worden ist, nicht zwangsl√§ufig zur Aufl√∂sung des Unternehmens f√ľhren. Vielmehr k√∂nnen Sonderregelungen getroffen werden, um das insolvente Unternehmen in der Krise erst einmal zu erhalten. Dadurch bleibt es am Markt und erh√§lt so die Chance, doch noch einen planm√§√üigen Turnaround zu schaffen.

Bei diesen Sonderregelungen handelt es sich im Wesentlichen um einen Teilzahlungsvergleich mit den Insolvenzgl√§ubigern, der in Form eines Insolvenzplans fixiert wird. Um einen solchen Vergleich zu erzielen, m√ľssen die Gl√§ubiger nat√ľrlich davon √ľberzeugt sein, dass es wirtschaftlich sinnvoll ist, sich in der Insolvenz auf eine Teilzahlung einzulassen.

Falls sie das sind, kann versucht werden, die Unternehmenskrise in einem Insolvenzverfahren ohne externen Insolvenzverwalter zu √ľberwinden. In diesem Zusammenhang ist auch von einer Insolvenz in Eigenverwaltung die Rede. Dabei wird zwar ein Sachwalter zur Kontrolle des Verfahrens eingesetzt, aber bei der Insolvenz in Eigenverwaltung bleibt das Verfahren grunds√§tzlich in der Hand des Schuldners.

Der Vorteil einer Insolvenz in Eigenverwaltung liegt auf der Hand: Das vorhandene unternehmerische Know-how, das f√ľr ein erfolgreiches Turnaround Management unerl√§sslich ist, kann f√ľr die Unternehmenssanierung fruchtbar gemacht werden. Nebenbei ist das Insolvenz in Eigenverwaltung Verfahren auch erheblich g√ľnstiger. Erh√§lt doch der Sachwalter nicht einmal zwei Drittel der Regelverg√ľtung eines externen Insolvenzverwalters.

Sanierungsexperten halten eine Insolvenz in Eigenverwaltung vor allem dann f√ľr sinnvoll, wenn es aussichtslos ist, dass man mit anderen Sanierungsma√ünahmen die Unternehmenskrise √ľberwinden kann, aber die Gl√§ubiger vom Erhalt des Unternehmens und seines Managements √ľberzeugt werden k√∂nnen.

Ein kosteng√ľnstigeres Insolvenzverfahren und eine bessere Gl√§ubigerbefriedigung: Das verspricht die Insolvenz in Eigenverwaltung. Erfahrungen mit dieser Sanierungsform fallen √ľberwiegend positiv aus. Entsprechend zugenommen hat in den letzten Jahren der Einsatz des Sanierungsinstruments der Insolvenz in Eigenverwaltung. Beispiele daf√ľr sind Air Berlin, Eurpoles, Gerry Weber oder Solarworld.

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Die Insolvenz in Eigenverwaltung: Voraussetzungen

Grunds√§tzlich erh√§lt das sich in einer Insolvenzkrise befindende schuldnerische Unternehmen das Recht, unter der Aufsicht eines Sachwalters die Insolvenzmasse zu verwalten und √ľber sie zu verf√ľgen, wenn das Insolvenzgericht die Insolvenz in Eigenverwaltung anordnet.

Aber eine solche Anordnung hat zwei Voraussetzungen:

1.    Der Schuldner muss einen entsprechenden Antrag auf Einleitung eines Insolvenz in Eigenverwaltung-Verfahrens gestellt haben.

2.¬†¬† ¬†Es d√ľrfen keine Umst√§nde bekannt sein, die erwarten lassen, dass die Anordnung zu Nachteilen f√ľr die Gl√§ubiger f√ľhren wird.

Um zu entscheiden, ob die Voraussetzung erf√ľllt ist, dass die Anordnung einer Insolvenz in Eigenverwaltung keine Nachteile f√ľr die Gl√§ubiger des insolventen Unternehmens erwarten l√§sst, h√∂rt das Insolvenzgericht nat√ľrlich auch den vorl√§ufigen Gl√§ubigerausschuss an.

Dieser muss sich einstimmig f√ľr die Anordnung einer Insolvenz in Eigenverwaltung aussprechen. Bereits an diesem Punkt des Verfahrens m√ľssen also die Gl√§ubiger davon √ľberzeugt werden, dass eine positive Fortf√ľhrungsprognose besteht, dass die Gesch√§ftsf√ľhrung die Sanierungsma√ünahmen finden und umsetzen kann und dass die Insolvenz in Eigenverwaltung zu ihrem Vorteil ist:

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Insolvenz in Eigenverwaltung: Ablauf des Verfahrens

Insolvenz in Eigenverwaltung: Ablauf des Verfahrens

Das Insolvenz in Eigenverwaltung Verfahren durchläuft im Wesentlichen vier Phasen, nämlich die der Antragsstellung, die Phasen des Eröffnungs- und Hauptverfahrens sowie die Abschlussphase.

Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung

In der ersten Phase entscheidet das Insolvenzgericht, ob der Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung zul√§ssig ist. Dabei muss nicht nur √ľber die Er√∂ffnung eines Insolvenzverfahrens entschieden werden, sondern auch √ľber den Antrag, die Insolvenz in Eigenverwaltung durchzuf√ľhren. Dem Gericht sind dabei vom schuldnerischen Unternehmen in der Krise unter anderem ein Verzeichnis der Gl√§ubiger und ihrer Forderungen sowie die Finanzkennzahlen des letzten Wirtschaftsjahres vorzulegen. Genaueres ist im ESUG nachzulesen.

Im Anschluss an die Stellung des Antrags auf Insolvenz in Eigenverwaltung wird ein vorl√§ufiger Gl√§ubigerausschuss gebildet. Dieser Ausschuss besteht je nach Unternehmensgr√∂√üe aus drei bis f√ľnf Gl√§ubigern und soll bei dem Insolvenz in Eigenverwaltung Verfahren die Interessen der Gl√§ubiger wahren sowie eine Benachteiligung einzelner verhindern.

Um √ľber den Antrag zu entscheiden, pr√ľft das Insolvenzgericht nicht nur, ob die beiden bereits genannten Voraussetzungen des Insolvenz in Eigenverwaltung Verfahrens erf√ľllt sind, sondern auch, ob eine Er√∂ffnung des Insolvenzverfahrens √ľberhaupt m√∂glich ist. Daf√ľr muss zum einen ein Insolvenzgrund vorliegen, also eine tats√§chlich oder voraussichtliche Zahlungsunf√§higkeit¬† bzw. eine √úberschuldung. Die Er√∂ffnung des Insolvenz in Eigenverwaltung Verfahrens setzt zum anderen den Nachweis voraus, dass die vorhandene Insolvenzmasse zur Deckung der Verfahrenskosten ausreicht.

Sind alle Voraussetzungen erf√ľllt, er√∂ffnet das Insolvenzgericht das Insolvenzverfahren in der Eigenverwaltung.

Eröffnungsverfahren: Aufbau von Liquidität

Das eigentliche Insolvenzverfahren dient der Befriedigung der Gläubiger. Dazu muss das schuldnerische Unternehmen zunächst einmal wieder Liquidität aufbauen, und dazu dient bei der Insolvenz in Eigenverwaltung das dreimonatige Eröffnungsverfahren.

Den Krisenmanagern des schuldnerischen Unternehmens stehen verschiedene Instrumente zur Verf√ľgung: Neben akuten Sanierungsma√ünahmen helfen das Insolvenzgeld sowie die √úbernahme aller Personalkosten durch die Agentur f√ľr Arbeit beim Aufbau der Liquidit√§t.

Hauptverfahren: Befriedigung der Gläubiger

Nachdem im Eröffnungsverfahren das insolvente Unternehmen in der Krise wieder Liquidität gewonnen hat, werden im Hauptverfahren der Insolvenz in Eigenverwaltung die Gläubiger befriedigt.

Dazu m√ľssen die Gl√§ubiger zun√§chst einmal ihre Forderungen an das schuldnerische Unternehmen anmelden. Um das allen Gl√§ubigern zu erm√∂glichen, wird die Insolvenz des schuldnerischen Unternehmens und damit die existenzbedrohende Unternehmenskrise √∂ffentlich gemacht.

Als n√§chstes werden beim Pr√ľftermin am Insolvenzgericht die Forderungen der Gl√§ubiger als berechtigt oder als bestritten anerkannt und vermerkt. Daf√ľr ist neben dem Rechtspfleger des zust√§ndigen Insolvenzgerichts der bei der Insolvenz in Eigenverwaltung eingesetzte Sachwalter verantwortlich.

Nach der Registrierung der Forderungen ist alles f√ľr den Kern des Insolvenzverfahrens in der Eigenverantwortung bereit: Die Gl√§ubigerversammlung tritt zusammen, um zu entscheiden, in welcher Weise eine Befriedigung der Gl√§ubiger am besten erzielt werden kann. Das schuldnerische Unternehmen hat zun√§chst einmal einen Bericht √ľber das Verzeichnis der Massegegenst√§nde, das Gl√§ubigerverzeichnis und die Verm√∂gens√ľbersicht zu erstatten.

Dabei kommt es f√ľr das Unternehmen, das sich mit einer Insolvenz in Eigenverwaltung sanieren will, darauf an, die Gl√§ubiger von der Fortf√ľhrbarkeit zu √ľberzeugen. Denn dieser Bericht wird von den Gl√§ubigern beraten, und die Gl√§ubiger des insolventen Unternehmens bekommen Gelegenheit, √ľber den weiteren Verlauf des Insolvenz in Eigenverwaltung Verfahrens abzustimmen.

Bestehen in der Gl√§ubigerversammlung Zweifel am wirtschaftlichen Sinn einer Fortf√ľhrbarkeit, endet die Unternehmenskrise mit einer Liquidierung: Das Unternehmen verschwindet sofort vom Markt, das Verm√∂gen wird ver√§u√üert und der Erl√∂s zur Befriedigung der Gl√§ubiger herangezogen.

Halten die Gl√§ubiger dagegen eine Fortf√ľhrung f√ľr sinnvoll, k√∂nnen sie sich entweder gegen die bestehende Gesch√§ftsf√ľhrung oder f√ľr diese entscheiden. Im ersten Fall kommt es zu einer √ľbertragenden Sanierung, mit der die vorl√§ufige Insolvenz in Eigenverwaltung endet und das Unternehmen in Form von Asset Deals verkauft wird. Im zweiten Fall wird die Insolvenz in Eigenverwaltung von der Gl√§ubigerversammlung best√§tigt.

Wenn die Gl√§ubigerversammlung eine Insolvenz in Eigenverwaltung f√ľr das wirtschaftlich Beste h√§lt, ist ein Insolvenzplan aufzustellen, der der Sanierung des Unternehmens und der Befriedigung der Gl√§ubiger dient. Die Feinabstimmung des Insolvenzplans kann recht schwierige Verhandlungen nach sich ziehen. So k√∂nnen bis zu einer endg√ľltigen Best√§tigung des Insolvenzplans mehrere Wochen vergehen.

Abschluß des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung-Verfahrens

Mit der Annahme des Insolvenzplans kommt das Insolvenz in Eigenverwaltung-Verfahren zum Abschluss. Die Verfahrenskosten werden bezahlt, die Gl√§ubiger erhalten zumindest einen Teil ihrer Forderungen und nach dem Schlussbericht kann das Unternehmen nach der Insolvenz in Eigenverwaltung wieder in einen regul√§ren Betrieb √ľbergehen: Mit geschicktem Krisenmanagement konnte man die schwere finanzwirtschaftliche Unternehmenskrise √ľberwinden.

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Mehr als 10 Jahre Erfahrung in der Vermittlung von Fach- und F√ľhrungskr√§ften auf Zeit. Dipl.- Betriebswirt und MBA (USA, Japan) in International Management.