Re-Engagement der Mitarbeiter nach „Reverse Integration“

Post Merger | Führungsstruktur | Betriebsrat

Die Finanzdienstleistungssparte eines Großkonzerns hatte mehrere Unternehmen gekauft. Die Post Merger Aktivitäten liefen unter dem Begriff der „Reverse Integration“. Die Führungsstrukturen in den gekauften Unternehmen blieben also weitgehend erhalten. Das alte Führungsteam jedoch war verunsichert und trug durch das Fortbestehen der alten Strukturen und Herangehensweisen zu nachlassender Motivation unter den Mitarbeitern entscheidend bei. Gleichzeitig sanken Umsatz und Gewinn, was wiederum die Angst um den Arbeitsplatz förderte.

Der Auftrag der heutigen HR Interim Managerin lautete, wieder Schwung in die Unternehmen zu bringen und resignierte Mitarbeiter zu proaktiven, motivierten und am Unternehmenserfolg interessierte Mitarbeitern zu machen.

Kurze Zeit nach Beginn ihrer Tätigkeit stand eine Gruppe von Mitarbeitern vor ihrer Tür und wollten sie informieren, dass sie einen Betriebsrat gründen wollten. Die heutige Interim Managerin verstand das als Hilferuf der „Delegierten“. Sofort initiierte sie einen Workshop mit den Mitarbeitern. Daraus entstand eine Arbeitsgruppe von Freiwilligen, die unter Moderation der Personalerin Vorschläge erarbeitete, wie die Belegschaft wieder für das Unternehmen und die eigenen Tätigkeiten motiviert werden könnte. Das Ergebnis war ein Konzept, das mit großer Begeisterung von Belegschaft, Führungskräften und Vorstand, die sich allesamt als Sponsoren zur Verfügung stellten, aufgenommen wurde.

Stufenkonzept in 3 Schritten

In einer Betriebsveranstaltung wurde das Konzept vorgestellt.

Schritt 1: Analyse und Auswerten
In persönlichen Gesprächen, deren Grundlage ein gemeinsam entwickelter, standardisierter Fragebogen war, wollte man ermitteln, was die Mitarbeiter wirklich bewegt. Dabei wurde herausgestellt, dass ausschließlich Mitarbeiter die Befragungen durchführen und Mitarbeiter nur mit Interviewern sprechen sollen, denen sie auch vertrauen.

Auf diese Weise wurde eine große Zahl von Mitarbeitern befragt, wodurch sehr interessante, repräsentative Erkenntnisse erzielt werden konnten.

Schritt 2: Umsetzen erster Maßnahmen und kontinuierlich erkannte Schwächen beseitigen
Die Mitarbeiter erlebten rasch umgesetzte Maßnahmen, die merklich die Stimmung im Unternehmen hoben. So waren es oft nur Kleinigkeiten, die aber den Mitarbeitern wichtig waren. Dazu zählte beispielsweise das Aufstellen von Schall- und Sichtschutzwänden in Großraumbüros, die zu einer angenehmeren Büroatmosphäre beitrugen.

Gleichzeitig entstanden weitere Arbeits- oder Interessengruppen wie ein Engagement-Forum, das der persönlichen Entwicklung und Weiterbildung, aber auch der Förderung der Kommunikation zwischen Abteilungen und Bereichen diente. Viele weitere Maßnahmen entstanden im Laufe der Zeit bis heute. Der Ursprung vieler Programme ist den Mitarbeitern heute möglicherweise nicht mehr bewusst, aber sie werden nach wie vor gelebt und leisten ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg.

Schritt 3: Regelmäßiges Reporten und Erfolge feiern
Die Projektgruppe berichtete regelmäßig an den Vorstand, der die nächsten abzuleitenden Schritte auch rasch freigab. Die aktive Unterstützung der Projektteams und das öffentliche Auszeichnen erzielter Leistungen trug in entscheidender Weise zum Erfolg bei.

Die HR Managerin hat mit diesem ebenso pragmatischen wie äußerst wirkungsvollen Konzept in sehr kurzer Zeit eine positive, neue Unternehmenskultur etabliert, in der sich die Mitarbeiter aktiv am Unternehmen beteiligen und mit großem Engagement zu mehr Umsatzwachstum und Erfolg beitragen.

Das Projekt in Stichworten

  • Re-Engagement einer resignierten und verunsicherten Belegschaft nach Merger
  • gemeinsame Konzeptentwicklung durch Beteiligung der Mitarbeiter in einem Workshop
  • Analyse durch persönliche Befragung, aber anonyme Auswertung
  • Gründung von Arbeitsgruppen und Erzielung schneller Erfolge, die für jeden Einzelnen direkt spürbar waren
  • regelmäßiges Reporting an Sponsoren aus dem Vorstand
  • Unterstützung und Auszeichnung durch den Vorstand.