TRANSEUROPE 2020
Länge 45 km Höhenmeter 350 m

Tag 11: Perugia im Visier

auf der Zielgeraden

Perugia

Heute ist die Schlussetappe! Die Übernachtungspension bietet leider kein Frühstück, sodass ich auf die nächste Bar ausweichen muss. Dort ist man überrascht was der Fahrrad-Typ so alles zum Frühstück braucht. Standard wäre Cappuccino und Brioche. Ich bestelle noch diverse andere Dinge schließlich werde ich ja nochmal ordentlich in die Pedalen treten müssen. Die Fahrt Richtung Perugia verläuft ruhig. Es stellen sich mir keine Bagger in den Weg und die Brücken sind auch alle da wo sie laut KI-Navi sein sollen. 

Der Weg führt mich an sehr vielen, bestens gepflegten Olivenhainen vorbei. Wer seine Bäume so sorgfältig pflegt, der macht sicher auch ein phantastisches Olivenöl. Dann, als ich den Lago Trasimeno kurz vor Perugia schon im Blick habe, übertrete ich die Landesgrenze zu Umbrien, dessen Landeshauptstadt Perugia ist. Weiter geht es den Berg ab an den See. Er bringt kühle Luft und verleitet mich dazu am Seeufer einen Espresso zu mir zu nehmen. 

Offensichtlich scheint heute Mülltag zu sein, denn immer wieder werde ich von Müllwägen überholt. Die darf man sich nicht wie in Deutschland vorstellen. Das sind kleine Kipplaster, oben offen und fast so wendig wie ein Geländewagen. Was man nur auf dem Fahrrad merken kann: sie stinken! Und so muss ich an Charly Brown denken, der immer eine, schon leicht verdreckte Schmusedecke hinter sich her zog, die wohl auch nicht immer ganz frisch roch. Was einem auf dem Fahrrad alles für Bilder in den Kopf kommen!

Die letzten Kilometer führen mich am Lago Trasimeno vorbei, immer näher an mein Ziel!  Und da ist es: Perugia. Unfassbar. Am 11. Tag meiner Reise erreiche ich gegen Nachmittag den Wohnort meiner italienischen Familie etwas südlich vom Stadtzentrum. Wer hätte das gedacht! 

Frühstück
Kakteen
Lago Trasimeno

Es ist Zeit Danke zu sagen. Danke an alle, die mich auf der Reise begleitet haben. Ich war 11 Tage alleine unterwegs, habe mich aber keine Sekunde alleine gefühlt. Es hat mir sehr großen Spaß gemacht, meine Gedanken mit Euch zu teilen. Für mich war diese Form des Reisens mit dem Fahrrad auf einer so langen Distanz, schreibend und für einen guten Zweck auch eine komplett neue Erfahrung. Mein Körper signalisiert mir: alles roger, keine Wehwechen und keine Verschleißerscheinungen. So soll es sein! 

Am meisten Danke ich Euch für die grosszügigen Spenden. So habt Ihr mitgeholfen die gute Sache zu unterstützen. Es sind über 4.500 Euro für die gute Sache zusammengekommen. Ich werde heute nochmal 100 Euro zusätzlich spenden und freue mich, wenn Ihr zum Abschluss nochmal einen Kreuzer für den guten Zweck einwerft - jetzt, wo das Ziel erreicht ist. Dafür schon mal vielen Dank. 

Bis Samstag werde ich meine italienische Familie besuchen. Am Sonntag fliege ich dann nach Hause und werde mich freiwillig einem Corona Test unterziehen und in Quarantäne gehen bis die Ergebnisse da sind. Ab Montag bin ich dann wieder regulär im Büro bzw. im Home Office erreichbar! 

Alles Gute und bleibt gesund! 

share, repost FacebookXingLinkedInTwitter
TRANSEUROPE 2020
Länge 101 km Höhenmeter 1219 m

10. Tag: durch die Toskana

von lieblichen Hügeln und bedrohlichen Buckelwalen

Florenz Ponte Vecchio

Auszug aus Florenz.  Wegen der Hitze habe ich mich schon sehr früh auf den Weg gemacht. Der Regen war natürlich nur ein kurzes Intermezzo. Am Morgen war alles trocken. Aus der Stadt raus ging’s über die berühmte Ponte Vecchio, die nicht nur Bestseller-Autor Patrick Süsskind („Das Parfum“) inspiriert hat. Für mich lag die Brücke noch im Schlaf: die Läden waren noch geschlossen, Menschen nutzen sie um zur Arbeit zu gehen. Keine Touristen. Fast hätte man denken können, man ist in einer anderen Zeit. Hätten die Menschen andere Kleidung, wäre es noch realistischer gewesen.  Für mich war es eine
Gelegenheit ein Foto mit Fahrrad zu machen und den Tag willkommen zu heißen. 

Ich kann nur jedem empfehlen, jetzt einen Kurzurlaub in Florenz (und ähnlich wahrscheinlich auch in Venedig oder Rom) zu machen. Die Italiener gehen aus meiner Sicht sehr verantwortungsvoll mit Corona um, besser als wir Deutschen und 1000x besser als die Österreicher, die Stadt ist recht leer und die Shops locken alle mit Sonderpreisen. So leer werdet Ihr die Stadt wahrscheinlich so schnell nicht wiedersehen! 

Weiter ging’s stadtauswärts. Wieder mal am Fluss entlang. Überwiegend auf gut ausgebauten Fahrradwegen. Immer wieder fahre ich an Pinienbäumen vorbei.  Sicher war jeder von Euch war schon mal in der Nähe von Pinienbäumen. Schließt Eure Augen für einen Moment und stellt Euch den Duft der Pinienbäumen vor. Dazu das Zirpen der Grillen.  Willkommen Toscana! Ich bin mittendrin.  

Die „sanften Hügel der Toskana“ präsentieren sich mir als bedrohliche Buckelwale, besonders wenn ich an Ihnen hochradeln muss. Die Straßen sind oft rissig und uneben, sodass ich beim Abfahren ordentlich durchgeschüttelt werde. Schöne Aussichten gibt es trotzdem viele. 

In Summe bringt mir das Auf und Ab dann doch wieder ca 1000 Höhenmeter auf die Uhr.

Dorf am Fluss
Weingut
Pinienallee
LaVialla
Castiglion Fiorentino

Ein Erlebnis von gestern wiederholt sich: die Straße ist weg!  Gestern war es der Bagger, der sich mir in den Weg stellte, heute war die komplette Brücke weg. Dummerweise an einer wichtigen Stelle über den Arno.  Nebenan sägte ein Bauer sein Holz. Ich fragte ihn welche Alternativen ich hätte. Er schaute zuerst mich entsetzt an (Fahrrad) dann zum Himmel (Sonne), dann wieder sehr mitleidig auf mich. Er sprach von 15 km und Montelucca. Ich bin nicht sicher ob ich den Ortsnamen richtig verstanden habe, aber das Wort „Monte“ im Ortsnamen verriet nichts Gutes und hörte sich nach zusätzlichen Höhenmetern an. 

Ich habe dann meinen KI-Navi zu Rate gezogen und mich für eine andere Route entschieden. Dummerweise führte die dann über recht befahrene Straßen, sodass ich das Zirpen der Grillen in Motogeheule eintauschen musste. Der zweite Teil des Tages war also keine so richtige Freude.  

Wieder zog ich bis zum Abend fast 6 Liter Wasser durch, die ich allesamt angeschwitzt habe. Unglaublich, oder? 

Für die Freunde des guten Essens: zufällig kam ich an der Fattoria La Vialla vorbei. Das ist ein Demeter-Bauernhof leckerer toskanischer Spezialitäten mit Direktversand nach Deutschland. Bemerkenswert war, dass ich darauf aufmerksam wurde, nicht weil ich den Namen las, sondern weil ich die spezielle Schrift des Namenszuges wiedererkannt habe. Als Marketier war ich beeindruckt von diesem „Selbstversuch“. Marken wirken also, manchmal sogar besser als der Text, den sie darstellen. 

Meine vorletzte Tages-Etappe schliesse ich in Castignon Fiorentino ab. Das liegt kurz hinter Arezzo auf einem Hügel mit einer Piazza und Torbogen in die toskanischen Hügel (die jetzt, da ich die Etappe abgeschlossen habe, wieder sehr sanft erscheinen). Morgen werde ich zur letzten Etappe ansetzen. Es fühlt sich immer besser an! 

share, repost FacebookXingLinkedInTwitter
TRANSEUROPE 2020
Länge 80 km Höhenmeter 980 m

Tag 9: Einzug nach Florenz

Die letzte Bergetappe ist geschafft!

Florenz

Heute liegt die letzte Bergetappe meiner Reise vor mir und anschließend der Einlauf nach Florenz.

Start ist in Porretta Terme.  Am Abend konnte ich dem Gewitter mal wieder knapp entrinnen. Die Kulisse des Ortes wirkte bedrohlich. Schwere Gewitterwolken und Lichtblitze ohne Ende. Einen habe ich sogar mit der Kamera einfangen können.

Am nächsten Morgen profitierte ich davon. Der Regen erreichte zwar den Ort nicht aber es kühlte ab und der Himmel war voller Wolken was mir nach der Schwitztour vom Vortag sehr recht war.  

Jetzt warteten wieder ordentlich Höhenmeter auf mich und mein KI-Navi hat es tatsächlich geschafft zwei Kotzrampen in den Streckenverlauf einzubauen. Nach so einem Anstieg kann der Puls dann schon mal auf über 160 gehen, wie ihr auf dem Foto mit mir und meiner Pulsuhr sehen könnt.  

Schnaufend und schwitzend machte ich mich an das letzte Teilstück in den Bergen. Irgendwann wurde ich gewarnt, die Straße wäre gesperrt. Ich machte mir nicht viel draus, da es eigentlich immer Platz für ein Fahrrad gibt und ich mal gelernt habe, dass in Italien alles (auch Strafzettel und die Existenz von Parkplätzen) verhandelbar sind. Ein Mountain-Biker kam mir entgegen und meinte schon, dass es nicht weiter geht. Ich ignorierte es erstmal - spontan kam mir Frank Sinatra „I did it my way“ in den Kopf. Dann die Überraschung: es ging wirklich nicht weiter und es war auch nicht verhandelbar! Vor mir ein großer Bagger und jede Menge Erdarbeiten. Also musste ich umdrehen und kam wieder mit dem Mountain-Biker ins Gespräch. Es stellte sich raus: er ist 76 Jahre und fährt jeden Tag. Höflich fragte ich nach Single Trails. Klar, er kennt sie alle hier in der Gegend. Deshalb fährt er ja Mountain-Bike. Das mit 76 Jahren.  Respekt!  Er half mir auch eine passende Umfahrung zu finden, die leider mit zusätzlichen Höhenmetern verbunden war, die mir selbst mein KI-Navi nicht zumuten wollte.

Nachdem ich wieder auf der richtigen Straße war, präsentierten sich mir die letzten Höhenmeter als Straße in einem kühlen Waldgebiet, abwechslungsreich, verkehrsarm, nur eben immer bergauf!  Bis zur Mittagspause hatte ich bereits wieder 3 Liter getrunken und immer das Gefühl ich könnte noch mehr trinken.

Mittag machte ich dann an der Berg-Spitze kurz vor der Abfahrt in einer Art Naturfreunde-Haus. Auch da gab es einen leckeren Teller Pasta für mich und eine Amateur-Sängergruppe, die, bis in die Haarspitzen motiviert, sogar während der Bestellung des Essens und bei Essen selbst sangen - und das gar nicht so schlecht.

Puls 160
Einzug in Florenz
aud dem weg
Baustelle
Ausblick
Gewitter

Kleiner Einschub: ich wurde gefragt, wie es mir denn so geht, ob ich Schmerzen habe und was mein Popo macht. Also, ich darf sagen, dass ich keine Beschwerden habe. Morgens und abends esse ich eine Magnesium Tablette in der auch Elektrolyte sind, sodass ich keine Krämpfe bekomme und mir keine Körpersalze fehlen. Am Abend mache ich dann immer Dehnübungen: Meistens Hund und Schwan (die Yogis wissen was ich meine). An dem schwebenden Nashorn arbeite ich noch (jetzt wissen auch die Yogis nicht was ich meine :)  Meinen Popo versorge ich mit einer Weleda Wundcreme, die eigentlich für Babys ist, bei mir aber auch seinen Dienst tut (ich brauche halt nur mehr davon).

Zurück zur Tour. Auf mich wartet jetzt ein fulminanter Abstieg von knapp 1000 Meter auf 40 Meter. Meine Scheibenbremsen dürfen zeigen was sie können. Die Vegetation verrät mir den Höhenabfall: zuerst Tannen, dann Pinien, dann Olivenbäume, dann sengende Hitze. Ich bin unten. Die Fahrt nach Florenz ist trocken. Wieder konsumiere ich 2 Liter auf der Fahrt. Die Strecke führt teilweise sehr schön durch Parks und am Fluss ins Zentrum. Um 17 Uhr laufe ich in Florenz ein. Was für ein Gefühl! Mit dem Fahrrad - aus Deutschland. Fast alles selbst erstrampelt. Irgendwie kann ich es selbst nicht glauben, dass das in so kurzer Zeit möglich war und fast immer Spaß gemacht hat.

COVID sei Dank, buche ich mich für 70 Euro in ein 4 Sterne Hotel mitten im historischen Teil der Stadt. Zu normalen Zeiten wäre das sicher nicht möglich gewesen.

Was fehlt ist der Besuch einer Eisdiele, der zu einer liebenswerten Angewohnheit geworden ist. Dann, oh Schreck: Regen...in Florenz!  Die Menschen schauen panisch zum Himmel. Das kennt man hier nicht. 9 Tage konnte ich mich geschickt vor dem Regen drücken. Jetzt hat er mich doch erwischt. Ausgerechnet in Florenz!  

Was bleibt ist ein gutes Abendessen - auch hier leere Restaurant-Tische an vielen Plätzen. Mein Gefühl sagt mir, Florenz arbeitet mit höchstens 30% seines normalen Tourismus-Aufkommens. Mich freut es, denn so habe ich den Blick frei auf einige der Highlights von denen ich morgen noch etwas berichten werde.

share, repost FacebookXingLinkedInTwitter
TRANSEUROPE 2020
Länge 56 km Höhenmeter 1180 m

Tag 8: Apennin im Visier

Schweißtreibende Kilometer und viele Höhenmeter

Flickenteppich-Strasse

So entspannt der Tag gestern war, so anstrengend war der Tag heute. Gestartet bin ich in Castelvetro die Modena, einem wunderschönen historischen Örtchen nur 5 km von Maranello entfernt. So nah war ich meinen prominenten Namensvettern noch nie. Dort hat man es aber ziemlich sicher nicht bemerkt und meine Sehnsucht da hin zu fahren, hielten sich auch in Grenzen. Umgekehrt schienen am Abend dann doch eine ganze Reihe von Menschen eine Sehnsucht entwickelt zu haben, das Örtchen, in dem ich mein Hotel hatte zu besuchen. Langsam (es war jetzt schon 21 Uhr) füllten sich die Restaurants. Gegessen wurde bis tief in die Nacht.  Jetzt war mir klar: ich bin im mediterranen Lebensrhythmus angekommen. Aich ich genoss ein hervorragendes Essen und einen vorzüglichen Wein. Meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt.


Vor mir liegen 1180 Höhenmeter. Eigentlich nicht viel mehr als an anderen Tagen, aber diese hatten es in sich.  Zunächst erwartete mich wieder ein recht gut ausgebauter Fernradweg, der ich entlang eines Flusses bergauf führte. Nach und nach wurde der Weg anspruchsvoller, die Steine größer und die Wege enger. Kein Problem. Schließlich habe ich ein Gravel-Bike und kein Bonanza-Rad!  Dann etliche Kilometer an einer gut befahrenen Straße. Das erste Mal seit dem Start, dass ich mich ernsthaft mit dem Straßenverkehr auseinandersetzen musste. Dann, das was meine Mountain-Bike Freunde auf meiner ersten Alpenüberquerung eine „Kotz-Rampe“ nannten:  Steil, steil, steil bergauf. Alles überwiegend in der Sonne bei deutlich mehr als 30 Grad. Vor 12 Uhr hatte ich bereits mehr als 3 Liter getrunken. Mein T-Shirt, obwohl schnelltrocknende Funktionswäsche, war vom Schweiß tropfnass.

endlich wieder Schatten
EuroWeg
am Fluss
Aussicht

Ich sehnte mich nach einer Pause. Wieder in einem historischen Örtchen (ihr merkt davon gibt es hier einige) habe ich dann eine Mittagspause eingelegt. Im Schatten durfte ich dann „Zampanelle“ und „Crescentine“ kennenlernen. Das waren nicht die Töchter des Inhabers, sondern mein Mittagessen. Wie ich lernen durfte, sind Zampanelle so ein Art Crepes-Teig der aber krachig-knackig wie Chips ist und mit Parmesan, Pesto oder anderen leckeren Zutaten veredelt wird. So auch Crescentine, die einem dünnen Weizenbrötchen ähneln. Ich erzähle das, weil ich mich immer freue, wenn ich „zufällig“ auf solche Dinge stoße und dem Tag Raum gebe, mir neue Entdeckungen möglich zu machen.


Nachdem ich wieder auf Betriebstemperatur abgekühlt war und nochmal 1,5 Liter Wasser aufgenommen habe, machte ich mich auf die zweite Etappe, die mich immer weiter in den Apennin und damit immer näher in Richtung Florenz führt. Die Straßen sind wenig befahren, erinnern jetzt aber mehr an Flickenteppiche. Zum Glück haben sich nach dem Mittagessen einige Wolken eingestellt. So ist der zweite Teil der Route nicht so anstrengend. Nur die Höhenmeter bleiben.  


Mein Platz für die Nacht heißt heute Porretta Terme. Auch dieser Ort ist mit einer Eisdiele gesegnet. Grund für mich ihn aufzusuchen. Auch hier herrscht Corona-Disziplin: Sicherheitsabstände, Tische werden abgewischt, eine Türe rein, die andere raus. Auffällig hier: mit dem mediterranen Lebensraum kommt auch fast zwingend der Vespa-Faktor zum Zug: Knatternde, nein – laut knatternde – Zweiräder - je lauter desto besser, gehören jetzt zum Lärmbild der Städte. Stört eigentlich niemanden aber dann doch irgendwie, den manche haben ihre Kisten so getunt, dass man denkt, Kampfjets sind im Einsatz. Die Aufmerksamkeit der Umgebung ist ihnen aber auf jeden Fall immer sicher.


Ich freue mich trotz Hitze, dass ich wieder einen Tag ohne Regen fahren durfte und bin sehr gespannt auf morgen. Es erwartet mich noch eine Bergetappe und dann die Abfahrt nach Florenz

share, repost FacebookXingLinkedInTwitter
TRANSEUROPE 2020
Länge 20 km Höhenmeter 170 m

Am 7. Tag sollst Du ruhen...

Zugfahrt von Trento nach Modena

Blick auf Po-Ebene

Am 7. Tag sollst Du ruhen! Diesen göttlichen Ratschlag habe ich befolgt und ziehe den „Joker“. Ich hatte ihn mir insgeheim schon zugebilligt, bin also mit meinem Gewissen im Reinen :)

So sitze ich im Zug nach Modena und lasse mich den letzten Rest der Alpenausläufer bis Verona und dann durch die Po-Ebene chauffieren. Beide Streckenabschnitte sind stinklangweilig und heute ist es gefährlich heiß mit Temperaturen von bis zu 36 Grad. 

Auch wenn ich Fahrrad-technisch wenig zu berichten habe, kann ich trotzdem ein paar Eindrücke teilen. Die erste Erkenntnis betrifft die italienische Bahn. Drei Eindrücke bleiben von der heutigen Zugfahrt: 1. Die italienische Bahn ist pünktlich, 2. sie ist günstig und 3. die Klimaanlage funktioniert. Drei Merkmale, die man bei der Deutschen Bahn schmerzlich vermisst (zumindest an Tagen mit mehr als 25 Grad, also dann wenn man eine Klima-Anlage wirklich braucht).  Ich möchte jetzt nicht wieder auf unseren Verkehrsminister zu sprechen kommen, aber die Frage sei erlaubt: Gibt es in unserer Republik niemanden, der den Job besser machen kann? Bitte bei mir melden :)

Gelungene Baukunst
Weinreben
Ladestationen im Zug
Restaurant
Gelungene Baukunst

Meine Begeisterung für die italienische Bahn wuchs sogar noch: das Umsteigen in den anderen Zug klappte hervorragend - auch er war pünktlich. In Deutschland ist das eine hochriskannte Angelegenheit, die erfahrene Bahnfahrer tunlichst vermeiden. Dann zu meiner Überraschung: im Zug gibt es Fahrradständer mit integrierter Ladestation für E-Bikes. Hut ab: pünktlich UND innovativ - die italienische Bahn kann sich sehen lassen und bekommt den Tagespreis von mir. Von diesen positiven Eindrücken inspiriert, überlege ich meine nächste Spendentour der Finanzierung von Praktikas für deutsche Bahnmanager in Italien zu widmen! 

So jetzt aber genug Bahn-Bashing! Ankunft Modena. Aufs Fahrrad - genug gefaulenzt. Los gehts zu meiner Mini-Etappe. 20 km und 170 Höhenmeter, die mich nach Castelvetro di Modena bringen. Erste Überraschung: entgegen der Prophezeihung meines Vaters gibt es auch südlich von Verona Fahrradwege. Sehr schöne sogar, die mich - eingebettet von schattenspendenden Bäumen aus der Stadt hinaustragen. Hin Richtung Apenin. Das ist der zweite Gebirgszug den ich überwinden muss. 

Nicht so ganz überraschend war, dass der Weg wieder an einer Kläranlage vorbeiführte. Es scheint sich also um eine ernstgemeinte und dauerhafte Daten-Liebe zwischen meinem KI-Navi und den Kläranlagen zu handeln. 

Langsam erheben sich erste Hügel. Auf der ersten Blick sieht’s aus wie das Bild, das wir von der Toskana haben: Sanfte Hügel, Zypressen. Vorbei an reifen Weinreben biege ich ab nach Castelvetro di Modena. Das historische Städtchen liegt entspannt auf einem der Hügel mit freiem Blick in die Po-Ebene. Ich habe Glück und bekomme ein Zimmer im historischen Ortskern und lasse mich von der Küche des Hauses verwöhnen.  

share, repost FacebookXingLinkedInTwitter
TRANSEUROPE 2020
Länge 115 km Höhenmeter -900 m

Tag 6: Wellness-Radln bis Meran

Strom abwärts liegt Süd-Tirol

Meran Strom abwärts

Nach der Nacht im Personalzimmer erwartete mich ein fantastisches Frühstück im Hotel Goldene Rose in Schlanders. Langsam schwant mir, dass ich in einem kulinarischen Hotspot bin. Alles war perfekt: das Rührei, der Speck, sogar den Honig konnte man sich aus einer echten Wabe nehmen. Ich kann mich nicht erinnern, je ein so gutes Hotelfrühstück gehabt zu haben. So hatte mich die Not der Nacht zu einem kulinarischen Highlight geführt. Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben und die Nacht nicht vor dem Frühstück!

Los gehts. Mich erwarten ca. 50 überragende Wellness-Kilometer bis Meran. Der Weg immer leicht abfallend, immer noch perfekte Fahrradwege. Neben mir der Fluss, der einen kühlen Wind produziert. Angenehme Temperaturen. So dürfte es bis am Abend weitergehen. Rechts neben mir der (noch) kleine Fluss und gaaanz viele Apfelplantagen, soweit das Auge reicht.

Blick ins Tal
Sieht schon sehr italienisch aus
weg
manifesto

Mit fallender Höhe gewannen die Temperaturen die Oberhand.  Ab sofort zählten nicht mehr die Höhenmeter sondern die Temperaturgrade. Freier Himmel und ab Bozen dann mindestens 33 Grad.  Zur Mittagszeit suchte ich schattige Zuflucht in einem Restaurant eines - na, könnt Ihr es Euch denken?, Tennisplatzes. Genau, ich sprach ja schon davon. Der Unterschied zu einem deutschen Tennisplatz-Restaurant (ich gebe zu ich kenne nicht so viele) zu einem süd-tiroler Tennisplatz-Restaurant ist…na, könnt Ihr es Euch denken?, ja, natürlich, man kann da gut Essen.

Die Route führt jetzt endlos an Apfelplantagen vorbei.  Der Radweg ist auf einem Damm, der die Apfelfelder von dem Fluss trennt. Eigentlich wie ein Damm an der Nordsee aber eben ohne See. Eine steife Brise gab es hier aber auch, leider aus der falschen Richtung, sodass ich doch ordentlich treten musste. Also, Hitze und Wind, Wind und Hitze, vermischt mit Äpfeln. So schön die Wellness-Kilometer bis Meran waren, so eintönig waren die Kilometer danach! Deshalb hab ich Strecke gemacht und die Tagestour bis Trento verlängert.

Eine neue Konstante auf meiner Tour ist die Qualität des Essens. Willkommen Italien, willkommen Tilo!  Nach Tagen mit Maultaschen und Knödeln, bin ich zuversichtlich, dass ich mit Südtirol und dem was in Italien folgt kulinarisch auf meine Kosten kommen werde. Essen ist hier kein Selbstzweck, sondern Genuss.  Interessanterweise findet man hier auch keinen einzigen Dönerladen. Ich lasse den Tag mit einem perfekten Risotto und leckerem Vino Grigio ausklingen.  Auf dem Rückweg finde ich im Aufzug ein inspirierendes Plakat. Ein ungewöhnlicher Ort für diese Botschaften aber vielleicht auch der Genialste. Ich bin sicher, dass die Welt eine bessere wäre, würden diese Worte in jedem Aufzug dieser Welt hängen.

share, repost FacebookXingLinkedInTwitter
TRANSEUROPE 2020
Länge 130 km Höhenmeter 1360 m

Tag 5: Die Königsetappe

Reschenpass und Alpenpanorama

Reschensee - versunkene Kirche

Heute war die Königsetappe angesagt: über 1300 Höhenmeter mit einem sehr steilen Anstieg zum Reschenpass. Zuvor durfte ich immer an Flüssen entlang, die wiedermal perfekt für Fahrradfahrer ausgebaute Via Claudio Augusto entlangfahren. So wurde die Königsetappe zum Panoramaweg. Einige wenige Eindrücke findet Ihr in der heutigen Fotogalerie. 

Am 5. Tag werden dann auch Wiederholungen sichtbar, die mich seit meinem Start in Deutschland begleiten. Dazu gehören Tennisplätze und Kläranlagen (es scheint der Komot-Routenplan-Algorithmus hat sich selbstständig gemacht und seine Liebe zu Kläranlagen entdeckt - ist das Künstliche Intelligenz?). Dann - ganz wichtig - Holzstapel!  Es scheint, dass Deutsche und Österreicher vereint sind, in ihrem Zweifel an die Lieferfähigkeit fossiler Energien aus Ländern wie Saudi-Arabien. Wie sonst ließen sich diese Mengen an akkurat gestapeltem Holz erklären, die mir über die letzten 300 km begegnet sind. Ich bin sicher, dass die von mir entdeckten Holzstapel reichen würden mich bis an mein Lebensende mit Wärme zu versorgen. Sollte es tatsächlich mal zu Lieferengpässen mit fossiler Energie kommen, empfehle ich jedem einen schnellen Umzug an die Via Claudio Augusto. So werdet Ihr nicht frieren müssen! 

Kurz vor dem Aufstieg ging es noch ca 10 km über Schweizer Boden. Damit hatte ich nicht gerechnet. Damit steigt mein Länderzahler auf vier, was meinen Anspruch die Tour „Transeurope“ zu nennen, nochmals mehr bekräftigt (ihr müsst ja niemand sagen, dass es nur 10 km auf Schweizer Boder war). 

Ausblick
Panorama
Panorama 2
Panorama 5
Panorama 3
Panorama 6

Dann der Anstieg zum Reschenpass über Nauders. Zum Glück auf einer wenig befahrenen Seitenstraße. Es drängt sich einem dann schon mal die Frage auf „Warum tue ich mir das an?“. Keine Ahnung. Der eine macht Holzstapeln zu seinem Freizeitvergnügen, der andere radelt Berge hoch. Jeder nach seinem Gusto. 

Oben war dann Grenzübertritt nach Italien. Jetzt da ich in Italien bin ist es Zeit über die Österreichische Corona-Politik abzulästern: Kein Masken-Gebot! Weder im Restaurant noch in der Hotellerie! Österreicher, glaubt Ihr wirklich Ihr kommt damit durch? Ich nicht!  Vorbildlich sind hier die Italiener, denn sie tragen einfach immer Maske, auch auf der Straße. Man fühlt sich hier deutlich sicherer. Bin gespannt ob mein Eindruck so bis zum Ende meiner Reise bestätigt wird. Mein Zwischenfazit: volle Punktzahl für Italien! 0 Punkte für Österreich. 

So oben am Reschenpass wartet der Reschensee, touristisch gut erschlossen und bestens mit Apfelstrudel versorgt. Davon konnte ich mich persönlich überzeugen!  Dann vorbei am Stausee mit der versunkenen Kirche, die in den wenigen Minuten in denen ich dort war millionenfach verpixelt wurde.  Auf Facebook werden jeden Tag 240 Millionen (!) Fotos hochgeladen - ich möchte nicht wissen wieviele Kopien dieses Motivs dort gespeichert sind. Aber ich bin nicht besser - Handy draufhalten. Weiter. 

Abfahrt!  Die Via Claudio Augusto präsentiert sich als perfekt installierter, ausgeschilderter und geteerter Weg runter Richtung Meran. Auf halber Strecke kommen schon die ersten Apfelfelder. 

Eigentlich wäre jetzt meine Tagestour zu Ende gewesen. Eigentlich, denn so viele Äpfelfelder es gab so wenig freie Hotelzimmer gab es. Was tun? Das was ich die letzten 5 Tage gemacht habe: Weiterfahren.  Nach 30 Zusatzkilometern wurde es so langsam dunkel! Mist. Meine letzte Hoffnung: eine 3 Zimmer Ferienunterkunft. Leider auch da Fehlanzeige dafür die Dame des Hauses und eine Freundin vor der Türe. Meine Not war groß! Die Nacht dunkel. Ich sah mich schon auf der Parkbank. Die Dame aktivierte Ihr lokales Netzwerk und telefonierte über eine Stunde mit Menschen aus der Umgebung. Mit Erfolg! Sie schaffte es mir das Personalzimmer in einem Hotel zu organisieren. Um 22 Uhr war ich dann im Zimmer. Zu spät zum Abendessen - aber dessen Bedeutung wird ja eh überbewertet!

share, repost FacebookXingLinkedInTwitter
TRANSEUROPE 2020
Länge 95 km Höhenmeter 1110 m

Tag 4: mein erster Pass

rein in die Alpen...

Fernpass

Los gehts in Marktoberdorf. Schnell raus aus dem Hotel. Ein Horrorkabinett der Baukunst. So viele Baustile an einem Ort, meine Frau wäre zur Salzsäule erstarrt. Die Geschmacksverirrungen des Inhabers haben wirklich biblische Ausmaße. Best-of war mein Restaurantaufenthalt im Hotel: Eigentlich als bayrische Stubn konzipiert wurde es an einen Inder verpachtet. So hatte ich Naan-Brot und Tandoori-Chicken unter den sehr wachsamen und allgegenwärtigen Augen König Ludwig dem Zweiten, der mich an diesem Abend im Restaurant von der Decke beobachtete, als Serviette erschien und mir neumodern verpixelt sogar als Bild bis zum Aufzug folgte.

Nach dem Start war das alles gleich vergessen. Um es vorweg zu nehmen: es war heute eine super Tour. Mein Geruchssinn wurde auch belohnt: Statt Wiesensch... gabs heute Wiesenkräuter für die Nase.  Deshalb gleich mal meine Empfehlung vorweg: wenn schon Bayern, dann Allgäu!  

Bereits nach wenigen Kilometern zeigten sich mit die Berge!  Ha! Heute steht mein erster von vier Pässen der Tour an. Werde ich es schaffen?  

Zunächst mal ging’s am Forggensee vorbei. Sofort stieg die Fahrrad-Verkehrsdichte an. Ich musste echt aufpassen, dass ich nicht mit den teilweise 3-spurig nebeneinander fahrenden Gruppen kollidierte. Da erschien mir das ältere Ehepaar, das noch von Hand heute (von „heuen“) wie ein Anachronismus.

 

Forgensee
Die Alpen im Blick
Menschen beim Heuen
Pizzeria Ferrari
Abfahrt Fernpass
Toblerone

Weiter ging’s nach Füssen und später dann nach Österreich.  Auf dem Weg dahin boten sich mir wehrhafte Kirchen und die Pizzeria eines Namensvetters.  Dann gab‘s erstmal Mittagessen für mich. In Österreich gibt es keine Maskenpflicht in den Restaurants. Sehr befremdlich - ich merke mich wie sehr ich mich bereits an den Masken-Habitus gewöhnt habe.

Jetzt kam der Aufstieg zum Fernpass. Beruhigend war, dass die Streckenführung für die Fahrradfahrer in der Regel weit weg von der dichtbefahrenen Autostraße verläuft. Der Aufstieg war moderat bis auf die letzten 5 Kilometer. Da ging es teilweise ordentlich bergauf, sodass ich - ich bin ehrlich – teilweise schieben musste. Erschwerend kam hinzu, dass der grobe Schotter einem auch nicht wirklich hilft, wenn man schwitzend bergauf fährt. Naja, aber ich hab ja nun mal ein Gravel-Bike und irgendwann muss das Fahrrad ja auch mal mit was anderem als geteerten Straßenbelag in Berührung kommen.

Oben angekommen wurde ich belohnt mit einer phantastischen Abfahrt. Wunderschön durch den Wald, fast schon in Single Trail Qualität wurde ich auf der Schlussetappe das erste Mal auch fahrtechnisch herausgefordert. Der Rest der Strecke ging durch einsame Wälder und bot mir immer wieder Blicke aufs grandiose Hochgebirge der Gegend. Well done. Hat großen Spaß gemacht, war sehr abwechslungsreich und kurzweilig. Das waren 95 Spass-Kilometer. Davon gerne mehr.

PS.: Gefällt Dir was Du liest, dann share es doch in Deinen sozialen Netzen. So sammeln wir vielleicht noch ein paar Spenden-Euros ein und andere haben auch Spass daran. Direkt unter dem Post findest Du die Buttons dazu. Danke!

share, repost FacebookXingLinkedInTwitter
TRANSEUROPE 2020
Länge 118 km Höhenmeter 758 m

Tag 3: Der Bayerntag

Zwischen Ulm und Allgäu gibt es viele Wiesen...

Das Tor nach BAyern - anno 1736

Heute ist Bayern dran! Meine Tour führt von Ulm nach Marktoberdorf.  Gleich nach dem Start wechselt die Optik der Kirchen ins Barocke. Ein untrügliches Zeichen, dass Bayern nicht mehr weit ist. Dann ein Tor - auch Barock anmutend im Jahr 1736 erbaut. Offensichtlich war man schon damals bemüht klar zu stellen, dass hinter dem Tor alles anders ist.

Von da an zog sich die Tour unspektakulär durch flaches Land. Zunächst durfte ich die A8, dann die A7 überqueren. Autobahnen zu überqueren ist ein Highlight - keine Ahnung warum - vielleicht weil sie mir als geographische Fixpunkte dienen.

Was folgt waren Wiesen, Weiden, dann Weiden und später wieder Wiesen, die immer wieder unterbrochen wurden von Maisfeldern!  Alles ziemlich langweilig. Aber ich hatte so Gelegenheit meinen Geruchssinn weiterzuentwickeln: Jetzt kann ich unterschieden zwischen ungedüngten Wiesen, vor kurzem gedüngten Wiesen und frisch gedüngten Wiesen :)

Irgendwann war ich in Krumbach und tatsächlich hat Krumbach einen Bach, der durch die Stadt führt und der ist krumm!  Also keine Fake News in Krumbach! Davon konnte ich mich selbst überzeugen. 

Krumbach

Was folgte war ein weiteres Kapitel des Spiels „Tilo und das Gewitter“. Diesmal war mir der Regen wirklich dicht auf den Fersen. Auch hörte ich es schon wieder donnern. Dank der App „Rain Today“ die mir auf 5 Minuten genau sagt ob und wo es regnet, konnte ich meine Pause so legen, dass das Regengebiet während meiner Pause südlich an mir vorbeizog. Ha!  Das ist jetzt schon der dritte Tag an dem ich den Regen austricksen konnte. Mal schauen was die kommenden Tage bringen.

Achso, die Radwege, ja die sind auch in Bayern in einem exzellenten Zustand. Scheint, dass man hier von den Schwaben gelernt hat, denn dem bayrischen Verkehrsminister in Berlin traue ich generell keine und in Sachen Fahrradwege überhaupt keine Kompetenz zu. Ginge es nach ihm, müsste ich wahrscheinlich eine Fahrrad-Maut entrichten. Zum Glück gibt es in Brüssel Bürokraten, die ihn im Zaum halten.

Nach 6,5 Stunden Fahrzeit habe ich dann mein Tagesziel Marktoberdorf erreicht. Hier im Allgäu mit Blick auf die Alpen, zeigt sich Bayern von seiner Schokoladen-Seite.  Gut so!

Danke auch für Euren vielen Spenden. Am Tag 3 haben wir schon 2.372 Euro zusammen. Ich danke Euch allen und hoffe auf einen kleinen Erfolgsbonus in Form von weiteren Spenden, wenn ich die Alpen geschafft habe. Ich zähle auf Euch!

share, repost FacebookXingLinkedInTwitter
TRANSEUROPE 2020
Länge 110 km Höhenmeter 523 m

Tag 2: Quer durchs Schwabenland

110 km mit abwechlungsreichen Einsichten

Blick aufs Schloss in Ludwigsburg

Heute führte mich die Tour durchs Schwabenland.  Vorweg gleich ein Kompliment: es gab praktisch durchgehend Fahrrad-Wege, die alle in einem guten Zustand und oft auch in einem hervorragenden Zustand waren. Liegt das an der grünen Landesregierung oder ist das mittlerweile Standard in Deutschland?  


Die Wetter-App meldete 80% Regenwahrscheinlichkeit. Ich habe aber zum Glück wieder keinen Tropfen abbekommen. Gut war, dass die Temperaturen jetzt eher bei 20 Grad lagen und nicht mehr wie gestern bei über 30 Grad. Der Himmel war zum Glück größtenteils bedeckt, worüber ich nach dem Hitzetag gestern ganz dankbar war.


Erstes Highlight war Ludwigsburg: Schön angelegte Parks, prächtige Baum-Alleen, dann vorbei am Schloss. Gut, dass hier mal jemand Ludwig dem 14. nacheiferte. Mit dem Auto erlebt man die Stadt nur mit dichtem Verkehr auf mehrspurigen Straßen, die den Charakter von Stadtautobahnen haben. Mit dem Fahrrad erlebt man eine grüne Stadt mit Park-Anlagen und Schloß-Ansichten, die den Prunk der damaligen Zeit am Leben halten.


Weiter gings entlang von Streuobstweisen, die ich zu einer selbstgeführten Apfelverkostung aufgewertet habe. Nach dem fünften Apfel hatte ich dann auch genug und einen Eindruck von der Geschmacksvielfalt des regionalen Apfel-Sortiments gewonnen. Lecker und fast so schön wie im Alten Land.


Dann Abfahrt ins Remstal und auf der anderen Seite wieder hoch. Der Anstieg war steil, es war Mittagszeit, ausgerechnet am steilsten Stück kam die Sonne raus. Ich konnte einen klitzekleinen Vorgeschmack auf die Alpen gewinnen. Bin mal gespannt was mich da in Sachen Steigung erwartet und hoffe, dass die Streckenführung meiner App gnädig mit mir ist. So ganz werden sich aber Steigungen in den Alpen nicht vermeiden lassen, schließlich sind es die Alpen und der neue Gotthard Tunnel ist – soweit ich weiß – für Fahrrad-Fahrer gesperrt 😊.


Was ist besser als Maultaschen mit Kartoffelsalat?  Ich sag`s Euch: Mauldääscha mied Gardoffelsalaaad serviert von einer Schwäbin in einer echten Besenwirtschaft. Mein Mittagessen also, das ich zusammen mit dem selbsthergestellten Apfelsaft der Betreiber gegen einen Schwarm von Wespen verteidigen musste. Da hilft nur schnell essen und jeden Bissen vorher auf „Mitesser“ kontrollieren. In so einer Besenwirtschaft wird man schnell gesellig. Nach 10 Minuten wollte sich jemand zu mir an den Tisch sitzen. Hallo! Corona! Schon mal davon gehört? Ich hab ihn höflich darauf aufmerksam gemacht, dass das keine gute Idee ist.

Startpunkt Bietigheim-Bissingen
Besenwirtschaft
Geislinger Steige
Schwäbische Alb im Blick
Blautopf -Urspring
Brauerei

Jetzt gings bergab ins Filstal. Das ist die Verlängerung des Mittleren Neckartals mit Orten wie Göppingen, Uhingen und Geislingen.  Immer an der Fils entlang, vorbei an endlosen Betriebsanlagen. Hier pocht das Herz des deutschen Mittelstandes! Schön zu sehen, denn das sind alles Arbeitsplätze und damit Wohlstand für unzählige Familien. Aber wir wissen auch, dass der Automobilbau der große Treiber für diese Region ist. Bekommen die Automobilkonzerne den Strukturwandel zur Elektromobilität hin?  Ich hoffe sehr, sonst wird die Gegend durch die ich heute gefahren bin einen „Dieselpfennig“ brauchen, so wie der Ruhrpott den Kohlepfennig brauchhte und damit am Fördert(r)opf des Staates hängen so wie einst das Ruhrgebiet. Aber im Moment ist noch alles im Lot – ich sehe haufenweise getunte Autos, ein sicheres Zeichen dafür, dass der Wohlstand in dieser autophilen Gegend real existiert.


Langsam dünnen sich die Gewerbegebiete aus. Es wird grüner, immer mit ein bisschen Steigung aber nicht wirklich anstrengend. Dann die Geislinger Steige, entlang der Bahnschienen. Ich war sehr angenehm überrascht über die Streckenführung. Ich hatte einen deutlich steileren Aufstieg auf die Schwäbische Alb erwartet. Dank der Baukunst des 19. Jahrhunderts konnte ich einigermaßen entspannt hochfahren. Oben geht dann recht flach weiter. Nicht Holland aber auch kein ständiges Auf- und Ab wie nach Ludwigsburg. Vorbei an Urspring, dem Sehnsuchtsort meiner Mutter und mit dem unscheinbaren aber bedeutsamen Blautopf. Eine Quelle, die zu einem kilometerlangen unterirdischen und wassergefüllten Höhlensystem führt.


Die restlichen Kilometer habe ich dann wieder mit Gewitterwolken im Rücken  zurückgelegt. Fast wie gestern – nur ohne Donner. Ohne nass zu werden, habe ich mein Etappenziel Hörvelsingen erreicht. Das Dorf muss man nun wirklich nicht kennen. So klein, dass ich Sorge hatte, eine Gastwirtschaft zu finden. Diese Sorge war unberechtigt. Denn so klein das Dorf ist, so groß ist die Brauerei in dem Dorf und daran angeschlossen ein Biergarten im Innenhof mit lecker Bier und „Wurschdsalaad“. Das war Tag 2.

share, repost FacebookXingLinkedInTwitter
TRANSEUROPE 2020
Länge 120 km Höhenmeter 171 m

Tag 1: Bergstrasse, Neckar und Weinberge

von Goethe inspiriert...

Startposition

So, Schluss mit dem Vorgeplänkel.  Jetzt wird es ernst – die Tour startet.  Der erste Tag soll 120 Fahrrad-Kilometer bringen.  So viel wie noch nie (zumindest für mich).  Los geht’s an der Bergstraße Richtung Heidelberg.  Wer jetzt bei °Bergstrasse° eine Straße sucht liegt falsch. Gemeint sind die Ausläufer des Odenwalds, die sich Richtung Rhein-Ebene erstrecken.  Auf diesem Weg war schon Goethe, damals von Frankfurt nach Heidelberg und ich erinnere mich, im Heidelberger Lesebuch stand, dass diese Tour für ihn eine Tagesreise war.  Wie beschwerlich muss der Weg zu seiner Zeit wohl gewesen sein, dass er so lange dafür gebraucht hat. Vielleicht hat ihn auch auf dem Weg einfach nur die Muse geküsst, sodass er zum Dichten stoppte oder eine seiner Musen hat ihn geküsst. Egal, so genau wollen wir das ja gar nicht wissen.

Für mich ging’s zum Glück schneller: Erstes Photo-Highlight war die alte Brücke mit dem Heidelberger Schloß im Hintergrund. Quasi DAS Touri#1 Motiv der Stadt.  Doch dann - Überraschung - posiert jemand seinen wirklich alten VW Bus auf der Brücke. Kaum vorstellbar, dass da mal Familien mit reisten. Heute hat ein Mini bereits die Dimension eines solchen Oldtimers und der gilt ja bekanntlich als „klein“.

Heidelberg - Alte Brücke
VW Bus ano dazumal
Die Concorde fliegt wieder ... in Sinsheim
Neckargmünd

Weiter gehts am Neckar entlang Richtung Neckargmünd. Das war mal die Lieblingsstrecke der Romantiker (auch das steht in dem Heidelberger Lesebuch). Ziel waren die Ruinen, davon gibt es an einer Ecke gleich drei was damals wohl den (Zeit) Geist richtig verzückte und die Menschen zum Dichten animierte. Heute ist davon nichts mehr zu spüren. Dafür treffe ich auf Sport-Geister: Bis Neckargmünd werde ich laufend von Rennrad-Profis überholt. Sehr frustrierend.  Zum Glück gibt immer mal wieder E-Biker, die ich überholen kann. Manche sind so langsam, dass frage ich mich, wie sie sich auf dem Bike halten können.

Dann wird’s doch sehr provinziell: viel Maisfelder, mal anderes „Gemüse“ und sonst auch wenig Abwechslung. Mittlerweile spüre ich meine Beine, die Sonne sticht und ich trinke und trinke und trinke.

Bei Sinsheim gehts dann über die A6. Davor noch am Technik-Museum vorbei: war das was? Ja die Concorde der Air France- sie fliegt also doch noch - zumindest in Sinsheim.  

Nach Sinsheim wird’s spannender: Weinberge soweit das Auge reicht. Ich merke, dass mich das gar nicht mehr interessiert. Auch fallen mir keine Geschichten zu der Gegend ein (oder war Goethe auch hier?).  Mein Blick richtet sich auf mein Display mit den Rest-Kilometern. Jetzt, da ich die 100 km Marke gerissen habe, wollen die Restkilometer nicht so schnell verschwinden, wie das meine Waden möchten.

In der Ferne braut sich jetzt auch noch was zusammen. Gewitter! Der Himmel über Stuttgart ist tiefgrau. Es donnert!  Das lässt meine Waden nochmal ordentlich rotieren, denn ich habe mir eigentlich vorgenommen trocken anzukommen. Zum Glück bleibt das Gewitter, wo es ist. Mein Etappenziel heißt heute Bietigheim-Bissingen (ok, kennt keiner, muss man auch nicht, hat meine App für mich rausgesucht.)  Für die Nicht-Schwaben:  der Ort liegt ca. 40 nördlich von Stuttgart, dicht an der A81.  Der Tag klingt aus mit einem sehr leckeren Essen und kurzen Gesprächen mit freundlichen Menschen.

Ach ja, hat jemand gespendet? Ich schau gleich mal nach!

share, repost FacebookXingLinkedInTwitter
TRANSEUROPE 2020
Länge 0 km Höhenmeter 47 m

Erste Fahreindrücke mit dem Canyon Grail CF SL 8.0 ETAP

fühlt sich gut an...

jetzt "mein" Canyon Grail CF SL 8.0 ETAP

Ich bin überrascht - positiv überrascht, denn so viel Fortschritt hätte ich nicht erwartet. Seit fast 9 Jahren fahre ich ein Stevens Cyclocross, zum Schluss mit einem super-genialen Schwalbe G-One Reifen. Ein echtes Rennrad bin ich nie gefahren, deshalb kann ich auch nicht wirklich sagen, wie es sich anfühlt von einem Rennrad auf ein Gravelbike umzusteigen, aber ich kann sagen wie es sich anfühlt von einem Stevens Cyclocross auf das Canyon Grail zu wechseln: Verdammt gut (auch wenn ich mit dem Stevens Cyclocross immer zufrieden war – aber ist jetzt einfach in die Jahre gekommen)!


Mein erster Eindruck: Das Fahrrad ist leichter. Genau genommen 30% leichter. Genial. Jetzt fahre ich mit nur 8,3 kg – ich kann jedem nur empfehlen, sich auf so ein Gewicht einzulassen, selbst dann, wenn man auf eine, in Öl gebettete Nabenschaltung verzichten muss (lieber Moritz 😊).

Mein Puls hat sich auf jeden Fall sofort bedankt. Meine Sportuhr wechselte von der gelben in die blaue Herzfrequenz-Zone ohne, dass ich an Geschwindigkeit verloren hätte. Das lag vor allem daran, dass ich jetzt weniger bewegen musste. Da sag mal noch einer, Gewicht spielt keine Rolle! Tut es. Das habe ich schon bei meinem alten Wanderfreund Thorsten gelernt, der sicherheitshalber sogar seine Zahnbürste abgeschnitten hat um Gewicht zu sparen. Mal schauen, wie meine Gepäckstatistik so aussehen wird...


Noch begeisterter war ich, als ich mich das erste Mal auf Feldwege traute. Die Trockenheit machte meine Wege in den letzten Wochen sehr sandig und auch wenn ich mal etwas ambitionierter in die Kurven ging, ich hatte immer das Gefühl sicher mit dem Weg "verklebt" zu sein. Bravo. Später wagte ich mich dann auch noch auf meine Mountain Bike Wege. Da wurde der Untergrund schon etwas ambitionierter. Ich überlasse es den Profils zu erklären, wie die Geometrie den Bikes wirkt und gebe Euch nur meinen subjektiven Eindruck mit. Der war bis jetzt sehr positiv, denn alles an dem Bike hält was es verspricht: viel Stabilität, auch wenn’s ruppig wird, wendig im Gelände aber auch extrem laufruhig auf geteertem Untergrund und dank der super-genialen Schalbe G-One Reifen auch perfekt "verklebt" mit den (Gravel-) Wegen.So hat mich das Fahrrad kennengelernt und das Fahrrad den Odenwald.

"Aber sag, lieber Tilo, hast Du dich denn auch gut auf die Tour vorbereitet?"  Klar – wie erfahrt Ihr im nächsten Blog-Beitrag.

share, repost FacebookXingLinkedInTwitter
TRANSEUROPE 2020
Länge 0 km Höhenmeter 112 m

Ich bin bereit...

Leistungsdiagnostik für ein gutes Gewissen...

Spiroergometrie zur Vorbereitung meiner Gravelbike Tour

Spiroergometrie - so heißt das was ich da auf dem Bild mache. Wusste ich vorher auch nicht! Eigentlich wollte ich mein Gewissen beruhigen, denn so ganz sicher war ich mir nicht, ob ich mich mit meinem Ziel 1.200 Kilometer nicht heillos selbstüberschätzt habe. Richtig wissen kann ich das erst wenn ich am Ziel angekommen bin. Doch vorher wollte ich mir eine Fachmeinung holen und beschloss mich bei einem Sportarzt untersuchen zu lassen und zusätzlich einen Leistungstest zu machen.


Den Leistungstest habe ich bei IQ Athletic absolviert. Das sind Profis, die viel für echte Profis machen aber auch einem weniger begabten Freizeitsportler wie mir das Gefühl gaben dazuzugehören. Danke für die gute Beratung.

Gemessen wurden 1001 Werte, die sich aus meiner Sicht zu einer einzigen simplen Zahl verdichteten (vielleicht auch, weil ich mir die anderen Zahlen nicht auch noch alle merken wollte): Die Zahl lautet 144. Das ist der Schwellenwert meiner Herzfrequenz auf dem Weg in die anaerobe Zone, also die Zone, die am nächsten Tag für Muskelkater sorgt und Schmerzen verursacht. Interessanterweise beobachte ich ja auch beim Fahren meine Herzfrequenz und hatte eine für mich vernünftige Komfortzone identifiziert, die genau bei den 144 lagen die mir die Leistungsdiagnostik als Schwellenwert präsentierte. Zufall?  Ich weiß es nicht - aber ich ging irgendwie ganz bescheinigt aus dem Leistungszentrum, denn ich hatte jetzt noch mehr das Gefühl meinen Körper gut einschätzen zu können.


Eine Woche später bekam ich dann noch die Auswertung der sportmedizinischen Tests von Dr. Thomas Heddäus. Keine Beanstandungen!  Alles im grünen Bereich und somit Bestnote für mich. Aus sportmedizinischer Sicht gibt es keine Bedenken – noch beschwingter als nach dem Leistungstest fuhr ich nach Hause – natürlich mit dem Bike umso meine Trainingsuhr wieder 68 Kilometer weiterdrehen zu können.

 

share, repost FacebookXingLinkedInTwitter
TRANSEUROPE 2020
Länge 0 km Höhenmeter 40 m

Canyon Grail CF SL 8.0 ETAP

Auspacken, losfahren...

Canyon Grail CF SL 8.0 ETAP

So schön hätte es sein können: auspacken, aufsteigen, losfahren. War es aber nicht! Aber alles der Reihe nach:


Ich hatte mir die Wahl gegeben zwischen einem Rose BACKROAD GRX RX810 Di2 und einem Canyon Grail CF SL 8.0 ETAP. Beides preisgekrönte Gravel Bikes, die in der gleichen Preis- und Gewichtskategorie spielen. Zunächst fühlte ich mich mehr dem Rose Backroad zugezogen, auch weil die Firma in Bocholt sitzt, der Herkunftsstadt meiner Schwiegermutter und weil sie so ultracoole Videos auf ihrer Website haben. So konnten wir einen Verwandtschaftsbesuch mit einer Probefahrt verbinden.


Strengen Corona-Regeln folgend, dürfte ich eine Testfahrt machen. Spannend hier: man betritt einen top-gestylten Laden in dem jedem halbwegs ambitioniertem Fahrrad-Enthusiast das Herz aufgeht und dann?  Macht man die Probefahrt auf dem Kundenparkplatz - einmal um den Laden, vorbei an den Mülltonnen und wieder um den Parkplatz! Sieht so ein zu Ende gedachtes Einkaufserlebnis aus? Nicht wirklich. Trotzdem Das Rose Backroad war überzeugend und so bestellte ich. Leider wollte nicht nur ich, sondern sehr viele andere Menschen auch ein Rose Rad, weshalb man mir eine Lieferzeit von 6 Wochen angekündigt hat. Dies aber erst nachdem man 2 Wochen brauchte, um mir eine Bestellbestätigung zu schicken. Offensichtlich hatten sich viele Menschen während des Lock-Downs entschlossen ihr Geld, statt in eine Fernreise in einen Drahtesel zu investieren. Nachvollziehbar. Dummerweise hatte ich den Fehler gemacht das Kleingedruckte der Bestellungbestätigung zu lesen. Ich hätte diese nämlich rückbestätigen müssen. So wartete ich auf das Bike und Rose auf die Bestätigung der Bestätigung!  Nach ungefähr 5 Wochen klärte sich das Missverständnis auf, dann war es aber schon zu spät, denn eine weitere Verzögerung der Bestellung hätte nicht mehr zu meinen Reiseplänen gepasst. Also habe ich die Bestellung kurzerhand storniert. Schade - aber so hat sich dann wohl ein anderer Gravelbike-Enthusiast über sein neues Bike gefreut.


Ich stand 4 Wochen vor der geplanten Abreise wieder am Startpunkt, also ohne Fahrrad da und fuhr kurzentschlossen zu Canyon nach Koblenz, um Plan B zu realisieren. Dort wurde ich ähnlich empfangen wie in Bocholt: Corona-konforme Eintritts- und Verhaltensregeln, perfekt-inszenierte Verkaufsfläche mit Showroom ... und dann ... Ihr ahnt es schon:  richtig, die Testfahrt fand wieder auf dem Parkplatz statt. es scheint, Canyon und Rose haben sich den gleichen Innenarchitekten gegönnt oder - noch schlimmer - am Innenarchitekten gespart. Meiner Frau, sie ist BDIA-Innenarchitektin, wäre das sicher nicht passiert.


Zurück zu uns: Ich hatte die Wahl. Sofort kaufen oder gehen, dann aber ohne Gravelbike. Es gab noch genau ein Gravelbike sogar in der von mir gewünschten Farbe. Nach einer kurzen Bedenkzeit schlug ich zu bzw. ein. Damit war ich Besitzer eines Canyon Grail CF SL 8.0 ETAP.
Wie bei einer Bestellung über das Internet wurde mir das Gravelbike im Karton überreicht. Ich hatte also das Vergnügen des Auspackens. Das Foto zeigt, wie es das erste Mal das Licht der Welt erblickt - zumindest aus meiner Sicht...


Auspacken macht ja eigentlich Spaß. Zusammenbauen auch. Aber was, wenn die Bauanleitung nicht zu dem passt was man im Karton vorfindet! Konkret hatte man vergessen, die Schaltung hinten zu montieren. Offensichtlich wurde das "letzte" seiner Art in Koblenz schneller aus der Produktion geholt als gewünscht. Als technisch unbegabter der Mensch, der sonst eigentlich nur Ikea-Möbel in seinem Leben zusammengebaut hat, war das eigentlich gar nicht vorstellbar. Ihr könnt Euch denken wie groß meine Enttäuschung war. Am nächsten Tag packte ich das Fahrrad und für zu Bikemax nach Darmstadt-Weiterstadt. Die freuten sich, dass sie mal ein Canyon in die Finger bekamen und hatten die Schaltung 24h später montiert. Großes Lob an das Bikemaxx Team in Darmstadt. Die Jungs sind cool!


Fairerweise darf ich sagen, dass Canyon mir die 30 Euro für die Montage bei Bikemaxx erstattet hat. Das Serviceteam hat schnell und unbürokratisch reagiert. Trotzdem, ein "Sorry, war unser Fehler" in einem Nebensatz hätte gutgetan und mein enttäuschendes Auspack-Erlebnis besser heilen lassen. Vielleicht hat ein anderer Canyon-Kunde mehr Glück!
Seid Ihr an ersten Fahr-Eindrücken zum Canyon Grail CF SL 8.0 interessiert, dann lest meinen nächsten Blog-Beitrag...

share, repost FacebookXingLinkedInTwitter