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Was kann ich als KMU tun, wenn die Bank mir die Kreditlinie reduzieren will?

Wird die Kreditlinie reduziert, steckt ein KMU in der Bredouille. Aber nicht jede Maßnahme eignet sich zur Behebung der Illiquidität.

Reduzieren die Banken und Kreditgeber bei Umsatzeinbr√ľchen die Kreditlinien des Betriebsmittelkredits, kann das schnell zur Zahlungsunf√§higkeit oder √úberschuldung f√ľhren.

Doch was können KMU in einer solchen Situation dagegen tun?

Unsere Expertin meint: von Anfang an auf Transparenz und klare Ziele setzen. Und folgende Schritte einleiten.

1. Die Fortf√ľhrung pr√ľfen

Zun√§chst einmal sollten Sie pr√ľfen, ob eine Fortf√ľhrung des Unternehmens sinnvoll ist, und falls ja, wie die Illiquidit√§t sich beheben l√§sst.

Mit einem Quick Check l√§sst sich schnell feststellen, welche Ma√ünahmen daf√ľr geeignet sein k√∂nnten. Denkbar w√§ren etwa

‚Äʬ†¬† ¬†die Zuf√ľhrung von weiterem Eigenkapital,
‚Äʬ†¬† ¬†die Aufnahme eines speziellen Darlehens, z.B. eines kurzfristigen Mikrokredits,
‚Äʬ†¬† ¬†die Umschuldung, also die Umwandlung kurzfristiger Kredite in langfristige,

oder

‚Äʬ†¬† ¬†ein konsequentes Mahnwesen.

Andernfalls l√§ge mit der Zahlungsunf√§higkeit bzw. der √úberschuldung ein Insolvenzgrund vor, der einen Insolvenzantrag nach sich ziehen m√ľsste.

√úber die Fortf√ľhrbarkeit wird dabei auf der Grundlage entsprechender Unterlagen und Nachweise befunden, die Sie zusammenstellen m√ľssen.

Bereits an diesem Punkt sollten Sie gerade als KMU in Erw√§gung ziehen, professionelle Unterst√ľtzung heranzuziehen, nicht zuletzt auch, um die Forderung des StaRUG nach einer Krisenfr√ľherkennung zu erf√ľllen.

Ein Quick Check schafft hier jedenfalls nach k√ľrzester Zeit Orientierung und im Ergebnis Klarheit.

2. Einen Liquiditätsplan aufstellen

Stellt sich heraus, dass weder eine Zahlungsunf√§higkeit noch eine √úberschuldung gegeben ist, sondern eine Fortf√ľhrung des Unternehmens sinnvoll ist, sollten Sie im n√§chsten Schritt einen genauen Liquidit√§tsplan aufstellen.

Der Liquidit√§tsplan stellt alle Einzahlungen und Auszahlungen innerhalb einer gewissen Planungsperiode einander gegen√ľber, wodurch m√∂gliche Liquidit√§tsrisiken schon vorab erkannt werden k√∂nnen.

Insbesondere lässt sich bestimmen, ab wann und in welcher Höhe ein Kontokorrentkredit voraussichtlich nötig wird.

F√ľr die Berechnung der voraussichtlich erforderlichen H√∂he des Kontokorrentkredits lassen sich zwar keine Regeln aufstellen, die f√ľr alle KMU gleicherma√üen g√§lten. Schlie√ülich unterscheiden sich die vereinbarten Zahlungsmodalit√§ten sowie das Zahlungsverhalten der Kunden und Lieferanten von Unternehmen zu Unternehmen. Gerade bei produzierendem Gewerbe liegen erhebliche Unterschiede zwischen Einnahmen und Ausgaben vor, denn oftmals wird die Leistung erst sp√§ter f√§llig, die Dauerlasten und Vorkosten hingegen unmittelbar.

Doch eine gewisse Rolle werden Kennzahlen wie der Umsatz, der Bestand an Waren, die Größe der Forderungen an Kunden, die Größe der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie der Bankkontostand auf jeden Fall spielen.

√úbrigens ist sp√§testens bei der Aufstellung des Liquidit√§tsplanes bzw. der Berechnung der H√∂he des erforderlichen Kontokorrentkredits und faktisch ben√∂tigter Mittel professionelle Unterst√ľtzung sinnvoll, um gegen√ľber der Hausbank oder anderen Geldgebern mit belastbaren Zahlen √ľberzeugend aufzutreten.

3. Einen Restrukturierungsplan entwickeln

An die Berechnung der erforderlichen Höhe des Kontokorrentkredits auf der Grundlage des Liquiditätsplan schließt sich die Entwicklung eines Restrukturierungsplans einschließlich eines Finanzplans und Businessplans an. Dabei ist zunächst einmal zu klären:

‚Äʬ†¬† ¬†Wie soll das k√ľnftige Gesch√§ftsmodell √ľberhaupt aussehen?

Darauf aufbauend ist ein Fortf√ľhrungsplan bzw. neuer Businessplan zu erstellen, der auch die Restrukturierungsma√ünahmen beschreibt, die umzusetzen w√§ren. In diesem Zusammenhang stellen sich weitere Fragen, u.a.:

‚Äʬ†¬† ¬†M√ľssen Gl√§ubiger in die Planerstellung mit einbezogen werden?
‚Äʬ†¬† ¬†Welche Gl√§ubiger sind ggf. bevorrechtigt?
‚Äʬ†¬† ¬†Ist dabei der Eingriff in Drittsicherheiten m√∂glich?
‚Äʬ†¬† ¬†Werden mit einer Restrukturierung besondere Vertragsbeendigungsrechte erreicht?

Und schließlich:

‚Äʬ†¬† ¬†Wer sichert den zwischenzeitlichen Finanzbedarf ab?

4. Den Kapitalbedarf absichern

Zu den Restrukturierungsma√ünahmen, mit denen das Unternehmen stabilisiert und die Liquidit√§tskrise nachhaltig √ľberwunden werden soll, z√§hlen eventuell Investitionen in die schon bestehenden Gesch√§ftsbereiche oder auch in Unternehmenserweiterungen bzw. in die Erschlie√üung neuer Gesch√§ftsfelder, die zu mehr Umsatz f√ľhren sollen.

Das kostet nat√ľrlich Geld.

Den entsprechenden Kapitalbedarf sollten Sie also m√∂glichst pr√§zise bestimmen und dann auf dem Kapitalmarkt beschaffen, etwa √ľber Ihre Hausbank oder √ľber die speziell f√ľr den Mittelstand aufgelegten Kredite der KfW.

Sollte eine Finanzierung dieser Restrukturierungsma√ünahmen misslingen, w√ľrde die Neuausrichtung des Unternehmens in der Konzeptionsphase stecken bleiben.

5. Restrukturierungsmaßnahmen umsetzen

Haben Sie das Kapital beschafft und die Finanzierung gesichert, k√∂nnen Sie sich im f√ľnften und letzten Schritt an die Umsetzung des Restrukturierungsplans mit den vorgesehenen Ma√ünahmen machen.

Auch als KMU sollten Sie an diesem Punkt ernsthaft erw√§gen, einen Sanierungsgesch√§ftsf√ľhrer bzw. Chief Restructuring Officer (CRO) einzusetzen. Denn ein CRO, der von au√üen kommt, setzt schmerzhafte und unpopul√§re Ma√ünahmen in der Regel besser um als jemand, der in die Strukturen des Unternehmens pers√∂nlich eingebunden ist.

Auf alle F√§lle m√ľsste das Mandat im Vorfeld genau definiert werden, um die gegenseitigen Erwartungen zu verdeutlichen. Nicht selten kommt es n√§mlich vor, dass die Zeit nicht mehr reicht, um die ersten vier Schritte gr√ľndlich anzugehen. Dann muss schon im Rahmen des ersten Quick Checks, der die Fortf√ľhrbarkeit des Unternehmens pr√ľft, unter Beteiligung aller Entscheider ein Handlungsplan mit den erforderlichen Ma√ünahmen und deren zeitliche Umsetzung erstellt werden.

Denn entscheidend f√ľr den Erfolg einer Restrukturierung ist letzten Endes ein ebenso klarer wie rasch erstellter Plan. Andernfalls drohen in der Zwischenzeit weitere Gelder zu verpuffen und die Reorganisation des Unternehmens endet in einer Insolvenz.