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Restrukturierung: „Es darf kein Zaudern oder Zögern geben“
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Unternehmen sind gut beraten, sich bei den ersten Anzeichen einer Krise Hilfe zu holen. Denn nur, wer die Sanierung oder Restrukturierung frühzeitig einleitet, hat überhaupt eine Chance auf Rettung. Doch die Praxis sieht vielerorts anders aus. Ein eindringlicher Appell unseres Interim Managers.
Es ist vielerorts spürbar: Die deutsche Wirtschaft kriselt. Dies ist eine Tatsache. Aber wie sieht es in den einzelnen Unternehmen aus? Viele sind nicht selbstkritisch genug und glauben, eine Krise hätte ausschließlich externe Gründe. Doch damit liegen die verantwortlichen Manager meistens falsch. Doch warum sind sie nicht ehrlich zu sich selbst? Vielleicht hat es die gleichen Gründe, aus denen wir nicht rechtzeitig zum Arzt gehen. Vorsorge? Das sollen mal schön die anderen machen. Und wenn wir uns irgendwann doch untersuchen lassen, dann aus einem einzigen Grund: Wir haben Schmerzen. So halten es viele Geschäftsführer mit möglichen Krisen. Sie holen erst Hilfe, wenn es richtig ernst ist. Doch dann ist es häufig schon zu spät.
„Krisenmanagement ist immer.“
Wann also ist der richtige Zeitpunkt, zu handeln und eine Krise proaktiv anzugehen? Immer! Sobald Unternehmen erste Krisensymptome bemerken, wie etwa andauernde Diskussionen mit den Stakeholdern, rückläufige Umsätze oder die Erkenntnis, strategisch aufs falsche Pferd gesetzt zu haben, müssen sie entschlossen und konsequent handeln. Dabei ist die Erfolgskrise schon die letzte Phase, in der Firmen weiterhin eigenverantwortlich agieren können. Noch haben sie verfügbare Geldmittel und darum die Möglichkeit, kluge Entscheidungen selbst zu treffen. Wer jetzt nicht umgehend handelt und auch unangenehme Themen konsequent angeht, wird später auf andere angewiesen sein – mit ungewissem Ausgang und unter zunehmendem Zeitdruck.
Dabei muss es nicht einmal die Geschäftsführung sein, die Anzeichen einer Krise bemerkt. Auch Interim Professionals, die ursprünglich mit einem ganz anderen Auftrag in ein Unternehmen kommen, sind wertvolle Ratgeber. Denn mit ihrem unvoreingenommenen Blick und ihrer Erfahrung können sie viele Krisenherde aufspüren – auch solche, die bisher noch verborgen sind.
„Firmen müssen sich ihr eigenes Versagen eingestehen. Das ist hart.“
Die Sache ist die: Die Geschäftsführung muss die Wahrheit ertragen können. Sie muss sich im Zweifel ihre eigenen Fehler eingestehen. Das ist hart. Doch es ist unausweichlich. Firmen, die sich wohl wissentlich in einer Krise befinden, dürfen die Schuld nicht aufseiten der Politik, in der Globalisierung, bei der innovativeren und digital überlegenen Konkurrenz, in der fortschreitenden Entwicklung von KI oder wo auch immer suchen. Nein, sie selbst tragen die Verantwortung für ihr Tun in einer Welt, die sich immer schneller disruptiv verändert. Häufig sind Krisen eigenverschuldet, weil sich Unternehmen strategisch oder operativ nicht oder zu spät auf die unaufhaltsame digitale Transformation einstellen. Umso wichtiger ist es, das bisherige Tun selbstkritisch zu hinterfragen und in allen Bereichen systematisch aufzuspüren, was genau schiefgelaufen ist. Dabei darf es keine falsche Rücksichtnahme geben. Die Dinge sind schonungslos aufzudecken – ganz gleich, worum es sich handelt.
Genau dabei hilft ein zertifizierter Sanierungs- und Restrukturierungsberater, der entweder als strategisch beratender und überwachender CRO oder als aktiv umsetzender Interim Manager im Rahmen von Restrukturierungen tätig ist. Seine Analyse liefert Antworten auf zwei entscheidende Fragen: Ist die Fortführungsprognose positiv? Und kann das Unternehmen künftig so rentabel sein, wie es in der Branche üblich ist? Selbst, wenn Firmen beide Fragen bejahen, ist die Restrukturierung kein Selbstläufer. Es braucht immer ein passgenaues Konzept samt konsequenter Umsetzung, eine fortlaufende Kommunikation und die professionelle Unterstützung eines externen Beraters. Andernfalls ist das Risiko sehr hoch, dass die Sanierung oder Restrukturierung scheitert. Eben, weil viele Firmen diese Erfolgskriterien nicht beachten, gelingt nur ein Drittel der Vorhaben.
Konsequent, unmittelbar, schonungslos
Kommt ein Restrukturierungsmanager oder -berater in ein Unternehmen, das kurz vor dem Exitus steht, geht es um Alles. Das Wichtigste ist, keine Zeit zu verlieren und zunächst die Liquidität zu sichern. Wer seine Firma in letzter Minute vor der Insolvenz retten will, hat gar keine andere Wahl, als einem Profi zu vertrauen, der glasklar analysiert und konsequent herausarbeitet, was genau zur Krise geführt hat. Schonungslos und ehrlich, ohne Rücksicht auf Verluste und persönliche Befindlichkeiten. Dabei darf es weder Zaudern noch Zögern geben. Interim Professionals müssen analysieren und aufräumen – wie etwa bei einer namhaften Werft, die durch Missmanagement in eine existenzbedrohende Schieflage geraten war. Die ersten Maßnahmen bestanden darin, ein neues Unternehmen zu gründen, klare Zuständigkeiten festzulegen sowie verbindliche, einfache und transparente Prozesse zu definieren.
„Bei einer Restrukturierung darf es keine Schwammdrüber-Mentalität geben. Es gilt, das Übel bei der Wurzel zu packen.“
Die Guten ans Ruder lassen
Um Misswirtschaft bereits im Keim zu ersticken, wurden im Einkauf drei einfache Grundregeln eingeführt. Erstens: Wer einen Auftrag erteilen will, braucht drei Angebote, auf deren Basis eine Bestellung erfolgt. Zweitens: Der günstigste Anbieter erhält den Auftrag. Drittens: Ohne offizielle Bestellung keine Bezahlung einer Rechnung – und das ohne Ausnahme. Einerseits stießen diese Regeln bei einem Teil der Belegschaft – und bei so manchem Lieferanten – auf wenig Gegenliebe. Schließlich hatten sie jahrelang von einem weitgehend intransparenten System profitiert. Andererseits blühte die Mehrheit der Mitarbeitenden überraschend schnell auf. Endlich gab es eindeutige Verantwortlichkeiten, verbindliche Vorgaben, transparente Regeln und eine konsequente Umsetzung. Plötzlich gelang alles viel besser – weil die Fähigsten am Ruder waren und nun alles daransetzten, „ihr Unternehmen“ zu retten. So geht erfolgreiche Restrukturierung. Einfach und konsequent. So – und nicht anders!
Dieser Kommentar ist zuerst in unserem Themenspecial „Wege aus der Krise“ erschienen. Darin erhalten Sie bewährte Best Practices und Expertentipps aus erster Hand für Sanierung, Restrukturierung und Turnaround. Jetzt kostenlos herunterladen!