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PROJEKTBERICHT

Sanierungsplan für insolvenzbedrohte Biogasanlage

Fortführungsprognose | Liquiditätssicherung | Erneuerbare Energien

Ein Sanierungsplan für eine Biogasanlage.

Das Projekt in Stichworten:

  • Erhebliche negative Abweichungen vom Businessplan und zerstrittene Gesellschafter
  • Ursache der Überschuldung ermittelt und positive Fortführungsprognose erstellt
  • Als Mediator Handlungsfähigkeit der Gesellschafterversammlung wiederhergestellt
  • Neuordnung der Substratversorgung erlaubt höhere Stromproduktionserlöse
  • Insolvenz abgewendet und Investitionsplan für den nachhaltigen Weiterbetrieb vorgelegt

Anfang 2016 wurde der Interim Manager von einem Bioenergie-Unternehmen mit 800.000 EUR Jahresumsatz als Interim-Geschäftsführer engagiert, um die drohende Insolvenz einer Biogasanlage abzuwenden. Sein Auftrag lautete ferner, Lösungsansätze für einen wirtschaftlichen Weiterbetrieb der Anlage aufzuzeigen. Außerdem sollte er die wirtschaftliche Machbarkeit von technischen Sanierungsvarianten ermitteln.

Erhebliche negative Abweichungen vom Businessplan und zerstrittene Gesellschafter

Der Businessplan zeigte erhebliche negative Abweichungen von den Ist-Zahlen. Die Anlage erbrachte nicht die prognostizierten Ergebnisse. Trotz höherer Refinanzierungskosten (Zinsaufwand) und Verlusten waren Ausschüttungen an die Gesellschafter getätigt worden.

Zudem war der Gesellschafterkreis zerstritten. 50 Prozent der Anteile hielt der Anlagenhersteller selbst. Die anderen 50 Prozent waren zu gleichen Teilen im Besitz von 2 Privatpersonen. Es gab viele Gesellschafterversammlungen, in denen wichtige Beschlüsse aber nicht gefasst werden konnten, da sich die notwendigen Mehrheiten nicht bildeten. Deshalb wurden Instandsetzungsmaßnahmen und notwendige Ersatzinvestitionen nicht umgesetzt. Dadurch erhöhten sich im weiteren Betriebsverlauf die Reparaturkosten, was wiederum auf die Liquidität durchschlug. Außerdem fielen die Kosten für die Substratversorgung erheblich höher aus als ursprünglich geplant. Zudem gab es keine angemessenen Erlöse für die Wärmeverkäufe.

Ursache der Überschuldung ermittelt und positive Fortführungsprognose erstellt

Der Interim Manager begann das Mandat mit der Aufnahme des aktuellen technischen und wirtschaftlichen Zustands der Biogasanlage und einem Soll-Ist-Abgleich der Geschäftszahlen. Gleichzeitig suchte er nach den Ursachen der Abweichungen. Vor allem aber analysierte er die Liquiditätssituation gründlich.

Das Ergebnis war deutlich: Die Gesellschaft wies ein negatives Eigenkapital von 1,6 Mio. EUR aus, hatte Verbindlichkeiten von 3 Mio. EUR und einen Jahresfehlbetrag von minus 0,42 Mio EUR. Die Gesellschaft war also überschuldet. Es drohte eine Zahlungsunfähigkeit und damit eine mögliche Insolvenz. Um diese abzuwenden, war es notwendig, sehr schnell eine positive Fortführungsprognose zu erstellen. Der Interim Manager erarbeitete mehrere Fortführungsprognosen, die sich insbesondere im Liquiditätsbedarf unterschieden.

Als Mediator Handlungsfähigkeit der Gesellschafterversammlung wiederhergestellt

Um die Weichen für die Sanierung zu stellen, mussten die Differenzen im Gesellschafterkreis so weit ausgeräumt werden, dass die anstehenden Gesellschafterversammlungen zu Beschlüssen kommen konnten. In zahlreichen Einzelgesprächen gelang es dem Interim Manager als Mediator, eine Basis zu schaffen. In der Folge konnte er mit der finanzierenden Bank und den Gesellschaftern eine Regelung verhandeln, um die Überschuldungssituation abzuwenden.

Zur Schuldenlast des Unternehmens zählte auch eine stille Beteiligung aus Landesmitteln über 200.000 EUR, die aufgrund der schlechten Wirtschaftslage nicht vertragsgemäß zurückgezahlt werden konnte. Der Interim Manager verhandelte mit den Landesbehörden eine für die Gesellschaft verträgliche Regelung, die die Liquiditätssituation nachhaltig verbesserte.

Neuverhandlung der Substratversorgung und neuer Substratmix erlauben höhere Stromerlöse

Zu den Schwierigkeiten des Unternehmens zählte auch die Substrat-Versorgung für die Biogasanlage. Es gab keine langfristigen Lieferverträge und die Substratkosten lagen rd. 30 Prozent über Plan. Die Menge an Substratvorräten reichte nur noch bis zur Erntezeit im Frühsommer. Wegen der negativen wirtschaftlichen Situation konnten keine weiteren Fremdkapitalgeber gefunden werden. Auch die Gesellschafter wollten keine weiteren finanzielle Mittel zur Verfügung stellen.

Der Interim Manager musste daher die Verträge mit verschiedenen Lieferanten neu aushandeln, um die Lager rechtzeitig füllen zu können. Diese Gespräche gestalteten sich sehr schwierig. Preisnachlässe konnte der Interim Manager nicht aushandeln. Er erreichte aber, dass die Lieferanten eine deutlich bessere Qualität lieferten. Diese Substrate erlaubten es, die Stromproduktion um rund 10 Prozent zu erhöhen. Dieses Mehrergebnis kompensierte die Mehrkosten für die Substrate deutlich. 

Weitere Verbesserungen des Betriebsergebnisses erzielte der Interim Manager, indem er zusätzliche Erlöse aus Wärmeverkäufen realisierte. Zudem verringerte er die Kosten für die technische und kaufmännische Betriebsführung, indem er die entsprechenden Verträge neu verhandelte.

Insolvenz abgewendet und Sanierungsplan für nachhaltigen Weiterbetrieb vorgelegt

Im Ergebnis konnten die Überschuldung behoben und die Liquiditätssituation innerhalb der 18 Monate des Interim Mandates signifikant verbessert werden. Die Insolvenz ist abgewendet. Die Arbeit des Interim Managers legte die Grundlage dafür, dass der wirtschaftliche Betrieb der Biogasanlage zukunftsfähig stabilisiert ist. Zum Ende des Mandats erarbeitete der Interim Manager einen Investitionsplan für die notwendigen technischen Investitionen.

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Stefan Gebel

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Senior Consultant

Tanja Esmyol - Senior Consultant Deutsche Interim AG

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Christoph Domhardt

Christoph Domhardt

Senior Consultant | Prokurist